Re: Was macht man als Bäcker in Kanada?




A.A.Interrants schrieb:

Was macht man als Bäcker in Kanada?

Der Deutsche hat gern die Angewohnheit, über sein eigenes Land zu schimpfen.
Aber kein Kanadier würde auf die Idee kommen, sein eigenes Land schlecht zu
machen, denn das würde ihm selbst schlecht kommen. Viel lieber stellt er
sein Land ins schönste Rampenlicht - und erfindet schon auch einmal etwas
dazu. Vielleicht deshalb ist Kanada auch viel besser als Deutschland -
solange man als Deutscher zuhause bleibt und nur die Geschichten hört.

Ein Leben in Kanada erfordert viel Toleranz anderen Menschen gegenüber. Das
bedeutet im Klartext: Man darf nicht auf seine gesetzlich festgeschriebene
Bezahlung bestehen, weil diese in vielen Fällen nicht bezahlbar ist. Man
muss bereit sein, mitzuhelfen und auch einmal ohne Bezahlung anpacken
können. Wenn es die Situation erfordert, hat man auch 12 Stunden und mehr zu
arbeiten. Ohne Mehraufschlag. Wer in Kanada leben möchte, darf oft genug
nicht auf schriftlich festgelegte Rechte bestehen, weil er sonst nicht
weiterkommt. Das alles bedeutet in Kanada Toleranz.

Die Menschen in Kanada sind anderen Leuten gegenüber sehr offen und geben
vielen eine Chance, so wie man es in Deutschland eigentlich nicht kennt.
Dadurch ist es viel einfacher, eine neue Arbeit aufzunehmen. Auch helfen sie
oft viel besser zusammen, als ich es in Deutschland erlebt habe. Warum das
so ist, das erfährt man gleich. Denn aus Nächstenliebe tun die Kanadier so
etwas nicht.

Schon oft habe ich gehört, dass Bäcker in Kanada dringend gesucht wären. In
drei Jahren fand ich jedoch nur zwei halbwegs vernünftige
Stellenausschreibungen, beide davon in Québec, und beide liefen übers YWEP.
Drei andere Stellenausschreibungen waren nicht durch öffentliche Stellen
abgesichert. Eine Anzeige erwies sich sogar als Luft einer
Vermittlungsfirma, die erhoffte, durch Gebühren satte Gewinne einfahren zu
können.

Die erste dieser Stellenausschreibungen war von einem deutschen Bäcker in
Kamouraska getan worden. Die Stelle bekam rein zufällig ich. Die andere
Stelle war irgendwo in Montréal, aber man darf nur einmal im Leben am YWEP
teilnehmen, weshalb ich diese Stelle nicht mehr bekam.

Ich kam damals völlig unvorbereitet nach Kanada und wusste *rein gar nichts*
über dieses riesige Land, außer das bisschen, was ich so im Laufe der Jahre
von Walt Disney & Co. mitbekommen hatte. Das brachte natürlich
Schwierigkeiten mit sich.

Ich stelle mir noch heute die Frage, warum in Kanada Bäcker so dringend
gesucht wären. Entweder ist dies nicht der Fall, oder aber es gibt keine
*vernünftigen* Arbeitsstellen. Sind kanadische Vorstellungen von Arbeit oft
völlig anders als europäische?

Festgestellt habe ich damals vor Ort, dass es in Kanada viel Brot zu kaufen
gibt, darunter die verschiedesten Sorten, so wie es halt überall in der Welt
ist. In den größeren Städten wird auch deutsches Schnittbrot (Vollkorn)
verkauft, hergestellt von der deutschen Industrie. Ein Mangel ist also nicht
da. Mir wurde damals selbst von den Leuten in Kamouraska erzählt, dass es
viel zu wenig Bäckereien im Land gäbe. Auf meinen Exkursionen mit dem
Fahrrad stolperte ich über eine große Bäckerei in La Pocatière. Außerdem
fand ich eine kleine in Saint-Phillippe-de-Neri. In Rivière-du-Loup gab es
damals die Microboulangerie La Seigneurie. In Le Bic die Boulangerie Folles
Farines. Außerdem frage ich mich, warum die meisten Bäcker von Kamouraska
damals im Winter entweder arbeitslos waren oder mehrere tausend Kilometer
(einer sogar bis nach Vancouver) weggingen.

Die Bäckerei in Kamouraska war damals nur sechs Monate geöffnet, weil sich im
Winter das Geschäft nicht mehr rentiert. Kamouraska ist ein typisches Sommer-
Dorf, viele Gäste und Hausbesitzer kommen nur im Sommer nach Kamouraska.. Im
Winter war dieses Dorf wie ausgestorben. Ich hatte einige Probleme mit dieser
Arbeitsstelle, weil einiges hinter der Hand ablief. Außerdem stand ich nach
einem halben Jahr ohne Arbeit da. Auf der anderen Seite waren diese Dinge für
mich verständlich und einsehbar. Ich durfte damals jeden Tag miterleben, wie
hart das Überleben für die Bäckerei war. Jeden Sommer trat bei ihnen wieder die
Frage auf, ob sie genug einnehmen würden, um die nächste Zeit durchzukommen.
Auch ist mir die Familie in vielen Dingen entgegengekommen - nur geklärt hatten
sie leider vieles nicht! Vielleicht deshalb, weil sie davon ausgingen, dass
diese Dinge eine Selbstverständlichkeit waren. Vielleicht waren sie es auch -
jedoch nur für Kanadier. Vielleicht aber hatten sie auch Angst, dass ich ihnen
Probleme machen könnte. Manchmal hatte ich auch das Gefühl, Jochen, der Chef,
wusste über viele Dinge selbst nicht richtig Bescheid. So war ich von ihm
leider auch nie aufgeklärt worden.

Von den Leuten habe ich übrigens nie wieder etwas gehört. *Von keinem* der
Kanadier. Irgendwie wundert mich das aber auch nicht nach all dem Chaos, das
ich bei ihnen erlebt hatte. Ich hatte damals ständig die Schwierigkeit, dass
ich ihnen quasi so etwas wie einen Spiegel vors Gesicht hielt und viel
motzte. Das war nicht böse gemeint. Es war eine Angewohnheit von daheim.. Die
Dinge lassen sich nicht verbessern, indem man sie akzeptiert. Mit dem Chef
kam ich auch einmal übers Kreuz. Es lag aber an mir, alles richtig zu
stellen. Wir hatten mit Sicherheit auch deshalb Probleme, weil ich Bayer
bin, der Chef aus Westfalen stammte. Die Kanadier unternahmen in dieser
Richtung leider überhaupt nichts. Das Einzige, was sie stets taten, war
davonlaufen. He, wo seid ihr denn - ich will raufen!

Man muss, um die Geschichte besser verstehen zu können, die
Familiengeschichte kennen. Da war eine junge Frau, die mit 18 Jahren ein
Mädchen in die Welt setzte. Der Vater war schwer auf Drogen aus. Die Frau
und das Mädchen lebten meinen Erkenntnissen nach in verschiedenen Orten am
Saint-Lorenz-Strom. Das Mädchen hatte kaum Freunde. Die beiden litten oft an
Hunger und unter Geldmangel. Denn die Frau war Künstlerin, und das Geschäft
lief schlecht. Ich vermute, dass die Familie bzw. Eltern der Frau mit dem
Kind diesen beiden kaum half, da es insgesamt 16 oder 17 Geschwister waren.

1994 tauchte dann plötzlich ein deutscher Abenteuerer bei ihnen auf. Er war
in einer deutschen Bäckerei aufgewachsen und damals nach Montréal gegangen,
um dort Brot zu backen. Die Bäckerei lief nicht lang - so wie es heute dank
dem Überangebot an Brot durch die Industrie an vielen Orten der Welt ist.
Nun trieb sich der Deutsche in den USA und Kanada herum, weil er unter
keinen Umständen nach Hause wollte. Schließlich war er mit dem Fahrrad von
Ontario aus unterwegs nach Neuschottland, traf dabei jedoch in Kamouraska
die Frau mit ihrem Kind. Die Frau hatte damals scheinbar noch einen anderen
Freund, als der Deutsche sie traf. Einige Zeit später hatte der Deutsche sie
jedoch bereits geheiratet. Es war Schicksal, dass die Frau damals
ausgerechnet in dem großen Haus am riesigen Parkplatz der Kirche wohnte.. Mit
den Mitteln aus Deutschland und der Unterstützung seines Vaters baute die
Familie dort eine Bäckerei auf - der Rest ist Geschichte.

http://www.kamouraska.ca/Autres/Membres/boulangerie.htm

Mehr ist mir nicht bekannt, aber ich konnte einige Parallelen zu meiner
eigenen Familie und Verwandtschaft herstellen, was ebenfalls mehr als
seltsam war (meine Mutter, erste von sieben Kindern, hatte ebenfalls mit 17.
Jahren das erste Kind geboren).

Ich habe damals vor Ort nach anderen Stellen gesucht, aber nichts
*Vernünftiges* (basierend auf meinen europäischen Vorstellungen) gefunden.
Da gab es Arbeitsstellen, wo man 3 Monate lang 80 Wochenstunden oder mehr zu
schieben hatte (bei einer sieben Tages-Woche). Die Arbeitstellen waren
jedoch alle sehr weit von Kamouraska entfernt.

In Deutschland sieht es in der Bäckerei derzeit so aus, dass sich auf eine
Arbeitsstelle bis zu 300 Leute bewerben. Ich hatte das damals selbst gesehen,
als ich mich für eine deutsche Bäckerei in Neuseeland bewarb. Als ich in
Wellington mit der Chefin gesprochen hatte, hatte sie mir die Bewerbungen
gezeigt, die sie per Email aus D bekommen hatte: 273! Darunter überwiegend
Leute, die gerade eben erst ihre Ausbildung beendet hatten oder noch mit ein -
zwei Jahren Berufserfahrung.

Auch und ganz besonders in Deutschland werden viele Fachkräfte gesucht. Das
größte Missgeschick Deutschlands ist derzeit die negative Einstellung vieler
Menschen anderen gegenüber. Es wird immer extremer gearbeitet. Man gibt den
Leuten kaum mehr Chancen, wer nicht gleich besteht, wird rausgeschmissen,
ein anderer gesucht. Auf die Dauer muss dieses Verhalten freilich dazu
führen, dass immer mehr Firmen kaputtgehen, weil sie nicht mehr operieren
können und somit die Wirtschaft im allgemeinen gebremst wird. Der Mensch
muss auch geben können, damit eine Gemeinschaft funktioniert. Nicht nur
nehmen.

Ich habe es zwei Mal selbst erlebt. Man wird als Azubi eingestellt, aber nur
auf dem Papier ausgebildet. Keiner nimmt sich mehr die Zeit, Können und
Wissen zu vermitteln. Statt dessen darf man Drecksarbeit machen. Hat man die
Lehre dann mit Ach und Krach geschafft, steht man hinterher meist auf der
Straße. Man wird von den Betrieben nicht gebraucht. Oder ein besserer wird
eingestellt. Es sind ja genug Leute da.

Menschen werden wegrationalisiert und durch Maschinen ersetzt. Bankfilialen
geschlossen. Ein jeder schaut nur noch auf sich selbst, die Menschen werden
in Österreich, Deutschland und Liechtenstein (6x selbst erlebt!)
gleichermaßen rausgetreten und fertiggemacht, wenn der eigene Arbeitsplatz
in Gefahr ist. Im Vergleich dazu war mir Kanada anders und lieber. Es war
schon immer so, dass Kanada auf Grund der extremen klimatischen Bedienungen
und Weite die Menschen in gegenseitige Abhängigkeit versetzte - besonders
heute noch auf dem Land zu spüren. Die Menschen müssen sich gegenseitig
helfen und unterstützen, um zu überleben. Da wird zusammengearbeitet, nicht
gegeneinander. Man wird gegenseitig gebraucht.

Man tut gut daran, in Kanada mitzuhelfen, ohne die Dinge zu hinterfragen und
sich ständig auf "seinem gesetzlich festgeschriebenen Recht· zu berufen und
alles nach Zahlen zu entscheiden, wie es nicht nur die Deutschen derzeit
tun. Beziehungen sind in Kanada sehr wichtig, um zu bestehen. Deshalb läuft
vieles auch im privaten und persönlichen Bereich ab. Die Dinge sind nicht so
scharf getrennt wie in D. Auf der anderen Seite läuft man natürlich auch
Gefahr, ausgenommen zu werden. Wo ist da die Messlatte und wo sind die
Grenzen? Genau damit hatte ich große Probleme, denn ich hatte keine
Erfahrung in diesen Dingen. Diesen Unterschied zwischen D und Kanada habe
ich früher nicht verstanden. Und mich hatte auch niemand aufgeklärt. Aber
ohne dieses Begreifen kann man in schwierigen Situationen nicht bestehen,
weil man sich falsch verhält. Es ist aber auch in Kanada keine Ausnahme;
immerhin bin ich im September 2004 von einem eifersüchtigen Freund bedroht
worden. Da der Mensch Elchjäger war, wollte ich mich mit ihm auch nicht
länger anlegen. Judo und Karate kommen dann eben doch nicht gegen ein
doppelläufiges 40-mm-Kaliber an.

Kanada scheint mir sehr extrem zu sein. Oft habe ich heute noch das Gefühl,
besonders die Existens auf dem Land und in den kleinen Dörfern der kleinen
Leute ist existensbedrohend. Die Menschen müssen zusehen, dass sie irgendwie
durchkommen. Scheiß aufs Papier, wir machen's schon, irgendwie...

Vielleicht ist das auch der Grund, warum *Amerika* das Land der
Möglichkeiten geworden ist oder war. Aus der Not heraus entwickelt der
Mensch oft ungeheure Kräfte. Auch und gerade in Amerika läuft nichts ohne
Geld, weil entsprechende soziale Bindungen oft fehlen. Also muss man
zusehen, dass man an welches kommt. Wahrscheinlich kommen gerade auch
deshalb aus Amerika so unsinnige Dinge wie der Playboy, Burger King etc.,
die zwar niemand mehr braucht, aber erfolgreich allmählich die ganze Welt in
ein Chaos der Orientierungslosigkeit stürzen. Und vielleicht ist das auch
der Grund, warum es in Amerika so wichtig ist, ein großes Haus und drei oder
mehr Badräume zu haben. Je mehr man hat, desto mehr ist man angesehen und
sozial abgesichert (Kanada schien mir hierbei *weit weniger* ausgeprägt als
die USA zu sein, aber trotz der stark europäischen Orientierung ebenfalls in
diese Richtung zu tendieren).

Der Unterschied zum alten Europa, so denke ich, liegt gerade auch in den
sozialen Bindungen, die in Europa doch noch oft sehr stark sind, besonders
die der familären und verwandschaftlichen Verhältnisse sowie der Bindungen
zum Land, auf dem man steht. Natürlich hat man wegen dieser Bindungen oft
auch starke Einschränkungen. Natürlich ist man in Amerika freier. Aber:

Frei is da Wind
Weil er blaht
Und si draht
Wia er wui
Frei is ma g'schwind
Hat ma nix zum Verliern
Außer seina Seel'

Aber frei sei, des hoaßt a
- wos ma leicht vergisst -
Dass der Stark' den Schwach'n frisst
Jede Ros'n lacht oan o,
bevor's di sticht,
weil ma de Dornen übersieht'...
[Reinhard Fendrich in Der Wind]

So etwa schrieb Friedrich Gerstäcker in seinem Buch *Die Flusspiraten des
Mississippi*: "In einem Lande, wo sich der vierte Teil der Bevölkerung stets
auf Reisen befindet, ist es aber sehr schwer, ja fast unmöglich, einen Mord
zu entdecken, da man, wenn nicht der Zufall dabei tätig ist, selten weitere
Beweise hat, als dass der Mann eben fehlt. Die Seinen beweinen ihn nicht
einmal, denn dass er tot sein könne, ist ihr letzter Gedanke. Sie vermuten
ihn auf irgendeiner Reise nach Texas oder in andere neue Staaten und hoffen,
ihn mit der Zeit zurückkehren zu sehen.·

Mir ist öfter aufgefallen, dass die Menschen Amerikas sehr offen sind - auch
und vor allem Neuem gegenüber. Das kann, muss jedoch nicht immer von Vorteil
und kann auch sehr unmoralisch sein - wie eben jenes Mädchen, das ich in den
Straßenschluchten antraf, die im zweiten Monat schwanger war (Vater
unbekannt) und die sich mir für fünf Dollar anbot. Das Geld bekam sie nicht,
aber ich begleitete sie einige Zeit lang und redete mit ihr. Dafür schenkte
sie mir noch einen Kaugummi! Allerdings brach sie dann plötzlich ein Auto
auf. Sie war mir gegenüber offen. Und sie brauchte dringend Geld.
Wahrscheinlich finanzierte sie mit solchen Geschichten ihren
Lebensunterhalt.

Amerika ist natürlich ein sehr freies Land, aber die Freiheit kann auch zum
Nachteil werden. Mit der Freiheit muss man umgehen können. Und dafür braucht
man Orientierung. Etwas, das Amerika in meinen Augen stark fehlt. So werden oft
Dinge getan, ohne hinterfragt zu werden.

Die ganze spirituelle Welt der Ureinwohner Amerikas und der alten Welt
Europas, diese ganzen sozialen Netzwerke, die für ein geordnetes und
moralisches Zusammenleben sorgen (*ähem* - beschwert sich da wer?), vieles
davon ist in Amerika verschwunden. Im Vordergrund steht *das Tun, um zu
überleben*, insbesondere jenes der kleinen Menschen. Es wird dabei oft nicht
einmal mehr gefragt, was man tut, sondern nur nach den Resultaten Ausschau
gehalten. Besonders auf dem Land kriegt man diesen Kampf ums Überleben noch
zu spüren, so wie es mir ergangen war.

Auf der anderen Seite sollte auch klar sein, dass dieses Abstreifen
besonders europäischer Kultur und Verhaltensweisen auch eine Chance sein
kann, denn diese Kultur ist nicht rein und oft nicht ohne Probleme. Viel
intelligenter scheint mir da z. B. die indische Bhagava-gita zu sein, die
sich auf keine Glaubensrichtung und keine Kultur begründet, sondern rein auf
Philosophie (ähnlich wie der Budismus - was der Mensch daraus macht, ist
wieder eine völlig andere Sache).

Nach solchen Erlebnissen denkt man so darüber nach. Auswandern tut man in
aller Regel deshalb, weil man sich verbessern möchte. Aber für mich war es
keine Verbesserung, grundsätzlich eine 80-Stunden-Woche arbeiten zu müssen,
bis man irgendwann tot umfällt (in der Bäckerei schon zur Genüge passiert),
und alle paar Monate hunderte oder gar tausende von Kilometern die Stätte
wechseln zu müssen. Ich hatte damals in Kamouraska schon 12 h am Tag
gearbeitet, was mir mehr als lieb war. Darüber hatte mit mir auch niemand
vorher gesprochen. Ich hatte diese Dinge eben erst in Kanada gemerkt, als
sie plötzlich auftraten. Für mich war damals völlig unklar, auf was ich mich
dauerhaft eingelassen hätte. Und deshalb, und auf Grund jener Dinge, die ich
bis zu diesem Zeitpunkt erlebt hatte, habe ich es nicht getan. Obwohl ich
mir aus heutiger Sicht noch immer sage, dass ich da etwas verpasst habe.
Wenn ich auch nicht weiß, was genau.

Auch habe ich gesehen, dass diese Umstände in Kanada nicht nur in der
Bäckerei, sondern auch tatsächlich in anderen Berufen der Fall war, wobei
die *wirkliche* Bezahlung auch oft nicht mit D vergleichbar war (z. B. ist
mir ein Fall bekannt: ca. 400 CAN$ für eine 12 h * 7-Tageswoche? =
Stundenlohn ca. 5 CAN$?) Gesetzliche Regelungen wurden ohnehin oft nicht
eingehalten, aber es fragte auch niemand danach. Die Leute waren froh, wenn
das Geschäft lief und sie an Geld kamen. Sie hatten keine Möglichkeit der
Wahl.

Jener, der nach Kanada geht oder gehen möchte, sollte sich diesen Dingen
bewusst sein.

--

http://home.chiemgau-net.de/ausserstorfer/

Komm zurück,
finde dein Glück,
komm doch wieder zurück!

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