re-burial russian style
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- Date: 2 May 2007 12:08:29 -0700
from http://www.taz.de
Umbettung auf russische Art
Aus dem Moskauer Vorort Chimki sollen Gräber von sechs im Zweiten
Weltkrieg gefallenen Piloten verlegt werden - wegen Baumaßnahmen
AUS MOSKAU KLAUS-HELGE DONATH
Auch Moskau hat ein Problem mit dem Umbetten sterblicher Überreste
seiner Helden aus dem Großen Vaterländischen Krieg. In Chimki auf dem
Weg zum Flughafen Scheremetjewo erinnern zwei Denkmäler an die
Ereignisse des Zweiten Weltkriegs. Vor Ikeas Megamall markieren
Panzersperren den Ort, wo die deutschen Truppen aufgehalten wurde.
Wenige hundert Meter gegenüber steht ein Fliegerdenkmal mit den
Gebeinen von sechs gefallenen Piloten.
Am Morgen des 19. April hoben Bulldozer die Gräber aus. Tadschikische
Gastarbeiter sammelten die Gebeine in Plastiksäcken zusammen. Einige
wurden übersehen, stellten Veteranen fest. Niemand hatte die Baustelle
nach dem Eingriff gesichert. Erst als sich die Sache herumsprach und
Parallelen zu den Tallinner Ereignissen gezogen wurden, reagierte die
Behörde. Noch vor Russlands Feiertag des Sieges am 9. Mai sollen die
Toten auf einem Friedhof beigesetzt werden.
Doch die Gebeine sind verschwunden. Chimkis Behörden verweisen auf das
Leichenhaus in Schodnja, das jedoch nichts von der Zwischenlagerung
weiß, und der Bestatter "Ritual" verweigert die Auskunft, berichtete
newsru.com. Stattdessen sind protestierende Bürger erheblichem Druck
von Miliz und Behörden ausgesetzt. Kommunistische Demonstranten seien
in einem Vorortzug von der Polizei zusammengeschlagen worden,
berichtete die Nowyje Iswestija.
Moskau ist bemüht, den Fall nicht an die große Glocke zu hängen. Der
Umbettungsbeschluss liegt zwei Jahre zurück, wurde aber wegen
Protesten verschoben. Das Kulturministerium des Moskauer Umlands
genehmigte die Verlegung und Pläne, am selben Ort ein Technologie- und
Innovationszentrums zu errichten, will die Initiative "Russland -
gesunder Menschenverstand" erfahren haben. Die Erweiterung der
Leningrader Chaussee und das Treiben von Prostituierten rund um das
Denkmal seien Anlass für die Maßnahme gewesen, sagt die Behörde.
Die Gegner zweifeln an der Erklärung. Die Chaussee werde nicht um 15
Spuren verbreitert und die Prostituierten hätten einen anderen Platz
gefunden. Chimki boomt, Baugrund, direkt an der Stadtgrenze, gehört zu
den teuersten Immobilien im Moskauer Einzugsbereich. An
Steuereinnahmen hat der Vorort die Metropole überholt.
Nicht alle Veteranen sind gegen die Umbettung. Der Vorsitzende des
lokalen Veteranenvereins, Petr Kostin, unterstützt die Behörden. "Nach
den Normen christlicher Moral war es nötig, die Überreste an einen
würdigeren Ort zu verlegen."
Verhaltenen Missmut äußerte der Vorsitzende des Duma-Komitees für
internationale Beziehungen: "Ich verstehe ihre Entscheidung nicht,
ausgerechnet in dem Moment, da wir versuchen das Andenken der Helden
des Vaterländischen Krieges in Estland zu verteidigen", sagte
Konstantin Kosatschew, warnte aber vor falschen Schlüssen: Chimki
hätte nichts mit dem "politischen Kampf" zu tun, der um den bronzenen
Soldaten zwischen Estland und Russland entbrannt sei. Der Abgeordnete
plauderte aus, was niemand benennt. Nicht das Andenken steht im
Vordergrund, sondern der verhasste Nachbar.
So erfahren die Bürger nur wenig aus Chimki. Nur Radio Echo Moskau
sowie zwei, drei Zeitungen und Internetdienste griffen das Thema auf.
Stattdessen berichten Staatsmedien über die Blockade der estnischen
Botschaft in Moskau, die Stoßtrupps der Kremljugend "Naschi" seit
Tagen belagern. Dass sie damit gegen Gesetze verstoßen, stört keinen.
Dieses Vorgehen scheint erwünscht. Sie kontrollieren Passanten und
agieren wie parastaatliche Organisationen. Zum Schulterschluss
zwischen Mob und Macht ist es nicht mehr weit.
2.5.2007 taz
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