Bodycount-neorealism (German)



http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,402650-2,00.html
SPIEGEL: Und die Erschießungen während der Großen Säuberungen?
Overy: Die erfolgten außerhalb des Gulags. Die angeblichen Spione
und Agenten wurden in absurden Verfahren verurteilt und dann sofort
liquidiert. Das war hunderttausendfacher Justizmord. Aber wer eine
Haftstrafe erhielt, kam nach Sibirien und hatte dort eine höhere
Überlebenschance als Häftlinge in deutschen KZ.

SPIEGEL: Lässt sich das quantifizieren?
Overy: Wir haben nicht für alle KZ die exakten Zahlen, aber in den Fällen,
in denen wir sie haben, liegt die Todesquote bei 40 Prozent, im Gulag
hingegen bei 14 Prozent.

SPIEGEL: Es wird immer wieder behauptet, im Gulag seien rund 20
Millionen Menschen umgekommen.
Overy: Das sind Phantasiezahlen. Ich gehe von 2,5 Millionen Opfern
in dem Zeitraum zwischen 1930 und Stalins Tod 1953 aus. Diese Zahlen
basieren auf internen Angaben der Gulagverwaltung. Nicht mitgerechnet
sind diejenigen, die an den Spätfolgen der Haft oder auf dem Weg in die
Lager starben. Wohlgemerkt, ich spreche hier nicht von den Opfern des
Stalinismus insgesamt, sondern von denen des Gulags.

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