Re: Vertrauensbruch
- From: Rainer Ziegenbein <rainer.ziegenbein@xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx>
- Date: Wed, 21 Sep 2005 00:50:43 +0000
Stefan Froehlich wrote:
> > Wenn sich ein Kettenraucher sich eine Zigarette anzündet, käme
> > mir auch nicht der Entschluss, er handele aus freien Stücken.
>
> Das nicht, nein. Aber ich wuerde ihm auch nicht ernsthaft draengen,
> mit dem Rauchen aufzuhoeren.
Das waere aber (in den ueblichen Grenzen) weder strafbar noch
moralisch anruechig. Ob es zielfuehrend ist, ist eine andere
Frage.
Jeder Mensch ist vielfaeltigsten Einfluessen ausgesetzt. Deswegen
finde ich die pauschale Forderung, der OP duerfe keinen Einfluss
auf seine Freundin ausueben, hochgradig realitaetsfremd.
> Was Sekten betrifft: in meinem Bekanntenkreis gab es einmal
> jemanden, dessen Schwaegerin angeblich - man wusste es nicht
> wirklich mit letzter Sicherheit - einen hoeheren Kredit auf
> ihr Haus aufgenommen hat, um damit - ebenfalls dem Hoerensagen
> nach - eine Sekte zu finanzieren, in diesm Fall allerdings eine
> allgemein als solche bekannte. Das hat einiges an Diskussionen
> hinter ihrem Ruecken ausgeloest: ob man sie ueberhaupt mit dem
> Thema konfrontieren duerfe, wenn ja in welcher Form, wer das
> tun koennte, wann und wie. Eine keineswegs einfache Situation, [...]
Ich hatte aehnliche Erlebnisse aus noch geringerer Distanz: Ein
Freund und Kommilitone war (Neu-)Mitglied einer solchen... aehh...
Glaubensgemeinschaft.
Zunaechst war ich schwer schockiert, weil ich das bei ihm nicht
erwartet hatte. Mir hat das echt zu schaffen gemacht. Naja, nach
ein paar Wochen hatte ich meine Sicherheit wiedergewonnen. -
Irgendwo hatte ich (in etwas anderem Zusammenhang) den Ratschlag
aufgeschnappt, man solle dem Thema und der Auseinandersetzung
nicht ausweichen, den eigenen, abweichenden Standpunkt durchaus
nachdruecklich vertreten und mit der eigenen Meinung nicht hinter
dem Berg halten - aber um Himmels Willen keinerlei Druck ausueben.
Keine Machtspielchen, keine Erpressungsversuche. (Die Idee ist
natuerlich klar: Eine eindeutige, faire und verlaessliche Linie
ist die einzige Chance, dass der Faden zum Betroffenen nicht
abreisst.)
Die Ueberraschung: Das hat besser als erwartet funktioniert. Die
Diskussionen gingen manchmal bis tief in die Nacht und wurden z.T.
regelrecht erbittert gefuehrt, aber es war doch immer ein gewisser
gegenseitiger Respekt da. Ueber die Monate und Jahre war auch zu
merken, dass nach einer anfaenglichen Phase der Euphorie bei ihm
doch wieder ein nuechterneres und kritischeres Verhaeltnis zu
dieser Gemeinschaft entstand - obwohl er recht selten, aber relativ
regelmaeszig zu den Zusammenkuenften gegangen ist.
Ich merkte auch, dass ihm mein Urteil wichtig ist, was einerseits
schoen, andererseits aber eine seelische Belastung war.
Das dicke Ende kommt aber noch. Nach seinem Diplom musste er aus
dem Wohnheim ausziehen - weswegen unser Kontakt praktisch abgerissen
war. Mangels Alternativen hat er versucht, bei Verwandten in Berlin
unterzukommen; er hat da aber nicht Fusz fassen koennen. Innerhalb
relativ kurzer Zeit ist er in eine seltsame Richtung abgedriftet und
hat ausgiebigen Kontakt mit der Polizei und der geschlossenen Anstalt
machen muessen.
Und ich war 200km entfernt und hatte keine Ahnung, wie ich ihm helfen
soll.
Scheisse alles.
Grusz,
Rainer
.
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- From: Martin Bulay
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- Re: Vertrauensbruch
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- From: Stefan Froehlich
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