Re: Machtausübung im Christentum und im Islam
- From: Peter Zander <HPeterZander@xxxxxxxx>
- Date: Thu, 02 Aug 2007 18:22:57 +0200
Frank <MudiFrank@xxxxxxxxxxxxxx> schrieb am Thu, 02 Aug 2007 07:44:26
-0700:
Dass Atheisten sich für Gott halten, glaube ich keinesfalls - sie
glauben ja generell nicht an einen Gott.
Gott in dem Sinne, woran man sein Herz hängt.
Ja, ja, sprachliche Missverständnisse ;-)
Zur Rechenschaft gezogen aber
werden sie so oder so für ihr Handeln, wenn es den Gesetzen
widerspricht. Den von Menschen erarbeiteten Gesetzen, die unser
Miteinander regeln sollen, wohl gemerkt.
Es kommt auf den "guten Willen", die Moral an, nicht auf
Gesetzestreue. Das ist doch eine der Kernaussagen des NT. Unsere
Gesellschaft gründet sich auch
eher auf einer gemeinsam Ethik (Humanismus, Menschenwürde, christlich
geprägte Ethik) die sich in den Gesetzen wiederspiegelt. Aber man kann
nicht die Gesetze mit der Ethik gleichsetzen.
Präambel unseres Grundgesetzes:
Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem
Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa
dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft
seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.
Aus dem Entwurf der EU-Charta ist das Herrgöttle zum Glück bereits
verbannt, worüber auch Du Dich freuen solltest, wenn Du Dir überlegst,
welche Verbrechen schon im Namen dieses Gottes "legitimiert" werden
sollten.
Hältst DuDie Bibel als in jedem Wort wörtlich als das Wort Gottes zu
dieses Verhöhnen biblischer Aussagen denn für ungefährlich für das
Denken von Menschen?
betrachten, ist sehr gefährlich, dass zeigen die Verbrechen in der
Kirchengeschichte.
Dass es ohne Christentum allerdings friedlicher verlaufen wäre, ist
auch eine naive Annahme. Die Ursachen für Kriege, Unterdrückung und
Ungerechtigkeit müssen genau untersucht werden, zu sagen "die
Religionen sind schuld" oder "die Bibel ist schuld" ist doch grob
fahrlässig, weil die wirklichen Ursachen dann übersehen werden können.
Europas Kriege im 20. Jahrhundert drehten sich um Wirtschaft und
Finanzen, nicht um Religion. Auch bei den Kreuzzügen sollte man ganz
genau hinschauen... Meine These übrigens: wären alle Amerikaner
Muslime, das Attentat 9/11 hätte es trotzdem gegeben.
Religiöse Begründungen dienten auch nach meiner Meinung immer nur
dazu, weltliche Machtziele zu realisieren. Wie sich die Menschheit
ohne Christentum oder Islam entwickelt hatte, ist mir zu hypothetisch.
Realistisch aber erscheint mir ein Nachdenken darüber, ob wir zu einem
friedlichen und motivierten Miteinander _aller_ Menschen gelangen
können, solange noch der höchsten Menschen vorstellbare Macht all das
unterstellt wird, was nun mal unbestreitbar in der Bibel oder dem
Koran steht.
Zum Problem des Fundamentalismus/Dogmatismus in den christlichen
Kirchen, insbesondere RKK:
Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: ich kehre dem Christentum den
Rücken, oder ich bleibe Christ und in der Kircheninstitution und
versuche Aufzuklären bzw. Denkanstöße zu liefern, damit dem
Fundamentalismus der Boden entzogen werden kann und der christliche
Humanismus nicht unter Dogmen begraben wird. Du "bekämpfst" religiösen
Fundamentalismus auf radikale Diskussionsweise, aber ich denke es ist
erfolgreicher ohne Provokation zu diskutieren, um von Christen ernst
genommen zu werden. Beides kann sich ja ergänzen ;)
Jeder versucht sein Bestes, wobei ich übrigens völlig einig mit Dir
bin, dass mein aggressiver Stil kein guter Weg ist. Ich will aber die
besten Gegenargumente hören, meinerseits aber nicht missionieren (das
wäre bei einem Gott, den ich als Nichtfordernde Liebe umschreibe, auch
gar nicht möglich), sondern nur zu eigenem kritischen Nachdenken
anregen. Was ein Mensch glauben will, das sollte er _selbst- sehr
kritisch prüfen, um nicht religiösen Rattenfänger in die Arme zu
laufen.
Peter Zander
.
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