Re: Internet-Provider "klaut" DSL-Leitung ohne Rechtsgrundlage
- From: Oliver Bartels <spamtrap@xxxxxxxxxx>
- Date: Mon, 15 Oct 2007 08:40:39 +0200
On Sun, 14 Oct 2007 20:47:34 +0200, "Harald Hengel"
<raldo-nospam@xxxxxxxxxx> wrote:
Was nutzt es, wenn du vor Tatsachen gesetzt wirst.
Viel, wenn als Konsequenz dann die Gegenseite auch vor
Tatsachen gesetzt wird. Da bei dem Portierungsschmarrn
ja gottseidank keine bleibenden Schäden entstehen,
läßt sich das mit einer Geldsumme regeln.
Das ist heute gängie Praxis, Callcenter mit freundlichen, aber
inkompetenten und nutzlosen Mitarbeitern.
Wohl wahr ...
Oder auch nicht.
Man wird behaupten beauftratg worden zu sein, es dem Kunden mitgeteilt
zu haben und wird das vor Gericht belegen.
Ob die Post an den Kunden wirkich abgeschickt wurde kann keiner
prüfen.
Für den klagenden Kunden ist das alles ein hohes Risiko, für das er
den Anwalt und die Gerichtskosten vorschiessen muss.
In dem Fall eher nicht, mit der Ankündigung der Rückportierung
und der fehlenden Ausführung ist die Beweislage wohl sehr
eindeutig.
Richter lieben Schriftstücke, die können bei der Befragung
ihre Meinung nicht spontan ändern ;-)
=> Freundliche, aber bestimmte Fristsetzung und dann
"Big Hammer", wenn sie es immer noch nicht kapieren.
Mein Forderung wäre, dass dertige Verträge der Schriftform bedürfen.
Das ist sicher eine gute Idee, wenngleich im _automatisierten_
Verfahren das auch nichts nützt. Die Schriftstücke schaut
nämlich keiner an ...
Praxisnäher wäre eine Regelung wie bei Domains,
mit Ack/Nack/LateAck bei neutraler Stelle.
Dass ein 3. deinen Vertrag ohne jeden Nachweis kündigen darf ist schon
ein recht seltsames Recht, welches nur auf Bananenrepubliken passt.
Naja, er kann es nicht und er muss im Zweifelsfall die gesamten
Kosten tragen.
Der Punkt ist ein anderer: Die Rechtslage, dass derlei unlauter
ist, ist recht eindeutig. Ich habe auch keine, aber wirklich
gar keine Zweifel, dass jeder Richter angesichts der Beweislage
den Herrschaften die Ohren langziehen wird.
Das Problem ist:
Der Deutsche Michel ist an der Ecke viel zu zaghaft und läßt
sich gerne von großen Namen beeindrucken.
Ich kann Dich aber beruhigen: In anderen Ländern probieren
große Firmen das ähnlich frech, wir haben gerade den Anwalt
beauftragt, einem nicht gerade kleinen US-Unternehmen wegen
Vertrieb von Software ohne Lizenz die Ohren langzuziehen.
Die schert das erstmal nicht, die meinen, wenn sie irgendeine
Bude aufkaufen und da zufällig Lizenzen in der Schublade
liegen, dass sie die beliebig ausdehnen können, Motto:
"Da lag eine Phil Collins CD rum, damit haben wir alle Rechte"
Manchmal braucht es halt einen Anwalt und entweder werden
die Nasen dann einsichtig und zahlen, oder es wird immer
teurer. Wenn sie zu dumm kommen, geht es an Mr. 30% (USA!)
und dann wird es _richtig_ teuer ...
Aber man muss das halt machen, das Recht nützt nur dann,
wenn es verteidigt wird.
Da steht doch Aussage gegen Aussage.
Der Mitarbeiter wird ja behaupten.
Da steht unglaubwürdige Aussage gegen glaubwürdige Aussage
plus Schriftstück. Alleine schon der Widerruf innerhalb der
Frist reicht, hier ist es aber noch einfacher.
Die Verbraucherschützer mögen am LG Nürnberg-Fürth klagen,
dann sind die Nasen _richtig_ fällig. Die Franken sind da
noch etwas bayrischer als die Oberbayern, ich weiß, wovon
ich rede. Und UWG geht vielfach bundesweit.
"Haben sie schon rückportiert: Nein ?! 2500 Euro Ordnungsgeld ..."
"Haben sie schon rückportiert: Nein ?! 5000 Euro Ordnungsgeld ..."
"Haben sie schon rückportiert: Nein ?! 10000 Euro Ordnungsgeld ..."
....
Die Summen sind dort realistisch, ich weiß von einem anderen
Fall aus dem Bekanntenkreis, dass die sehr konkret rechtskräftig
verhängt wurden, trotz Nachhaken der "och war doch nicht so
schlimm" Gegenseite.
Selbst die Sprache verstehen sie oft nicht, hier zählt die Macht des
Geldes und die meisten über den Tisch gezogenen Kunden haben nicht das
Kleingeld um Anwalt und Gericht vorzuschiessen und sie haben Angst am
Ende doch auf die Nase zu fallen.
Ich sage doch: Deutscher Michel.
Ich hätte die Angst ehrlich gesagt nicht, soviel Glaube in das
Rechtssystem ist schon da, so schlecht ist das nämlich nicht.
Aber vielleicht bin ich deshalb Unternehmer und nicht angestellt ;-)
Das stört die Branche nicht, solange sie damit verdient.
Leider, aber deshalb ist es nötig, den schwarzen Schafen die
Ohren langzuziehen.
Gruß Oliver
--
Oliver Bartels + Erding, Germany + obartels@xxxxxxxxxx
http://www.bartels.de + Phone: +49-8122-9729-0 Fax: -10
.
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