Re: von 0 auf 100



Martin Klaffenboeck <martin.klaffenboeck@xxxxxx> wrote:
> Am Thu, 30 Jun 2005 08:05:45 +0200 schrieb Volker Gringmuth:
>
> > Martin Klaffenboeck wrote:
> >
> >> Wir haben eigentlich schon länger das Problem dass unsere Tochter
> >> (5) ziemlich schnell in die Luft geht, was bei Ihren Freundinnen
> >> nicht so ist. Daher vermuten wir mal, dass es nicht das Alter ist.
> >
> > Nö, eher ihr Temperament. Kleiner Choleriker?
>
> Vielleicht. Wir wissen allerdings noch nicht wie das bei anderen ist.
> Letztens hat sie mich mal im Kindergarten beim Hausschuhe anziehen wegen
> irgendwas angeschrien, das hat die Mutter ihrer Freundin (bei der sie auch
> öfters zuhause spielt) zu mir gemeint: Wusste gar nicht dass die so
> aufdrehen kann.

Das würde darauf hindeuten, daß sie das nur bei
Euch so macht. Es wäre dann kein Problem, Eurer
Tochter, sondern ein Problem zwischen ihr und
Euch.

> [...]
> > Vielleicht nervt sie die Frage tatsächlich, weil sie einfach nicht zum
> > Erzählen aufgelegt ist?
>
> Ja, war vielleicht ein blödes Beispiel, vielleicht noch ein paar andere
> damit man sich ein Bild machen kann: Was magst du denn heute für eine
> Jause mitnehmen? Sollen wir deine Haare frisieren? Hast du gut
> geschlafen? Willst du wirklich mit dem nassen Badeanzug nach hause gehen?
> Du solltest dich schon umziehen, damit du nicht krank wirst! Mach bitte
> noch schnell die Kühlschranktür zum [die du offen stehen gelassen
> hast].

Oh man, wenn ich das so lese, fange ich sofort
an, ihre Genervtheit zu teilen! :^>

> Ich muss sagen, dass das natürlich alles Dinge sind, bei denen ich
> verstehe, dass es sie auch nervt. Aber ich sehe trotzdem keinen Grund
> dass ich da jedesmal eine Eskalation hinnehmen muss und ich dann wieder
> derjenige sein muss, der sie dann beruhigt, ich finde mit 5 sollte man
> eigentlich schon: Einfach mal hinnehmen, dass man vergessen hat die
> Kühlschanktür zu schließen und das halt nachholt. Oder dass man halt
> mal seinen Unmut äußert. Oder dass sie sagt: Such du mir eine Jause
> aus, anstatt gleich loszuschrein. Oder ...

Das mit der Kühlschranktür, ja. Aber der Rest?
Da muß ich Willibald zustimmen: Ihr solltet
wohl besser trennen zwischen dem, was wirklich
wichtig ist (eine Kühlschranktür /muß/ sofort
zugemacht werden) und Dingen, die schön wären,
ohne die die Welt aber nicht untergeht (unge-
kämmt in den KiGa).
Ich finde, in dem Alter solltest Du ihr sagen
können, daß ihre Haare strubbelig aussehen und
darauf vertrauen, daß sie die Bürste holt und
um Hilfe bittet. Und wenn meine Kinder morgens
knurrig zum Frühstückstisch kommen, werde ich
mich hüten, sie zu fragen, ob sie denn auch
gut geschlafen haben. Sowas kann jeden auf die
Palme bringen.

> Ich denke sie sollte lernen solche Dinge einfach mal wegzustecken,
> schließlich passieren täglich solche Dinge (nicht nur Kindern).

Ich finde nicht, daß meine Kinder es wegstecken
sollen, wenn Erwachsene etwas mit ihnen tun,
daß sie nicht wollen. (Ja, genau deswegen. Hast
Du richtig geraten.)

> [...] Nur wollen wir halt für Sie nicht
> nur Prellbock sein und ich denke, dass man das als Eltern eigentlich viel
> schwerer hat, schließlich will man dem Kind ja die Sicherheit geliebt zu
> werden schenken. Ganz egal wie sie ist. Und das widerspricht sich meiner
> Meinung nach mit dem 'Ihr zeigen, dass sie sich so keine Freunde macht'.

Als meine Tochter des öfteren wütend schreiend
auf dem Boden kollabiert ist, haben wir immer
(lächelnd) das Zimmer verlassen, sie aber hin-
terher uneingeschränkt angenommen. Das finde
ich auch normal: Wenn mich jemand wütend an-
schreit, kann ich nicht lächelnd sagen, ich
hätte ihn lieb. Das beste was ich tun kann,
ist, ihn hinterher wieder anzunehmen.

> [...]
> Heißt für mich: Handlungsalternativen anbieten. Doch auch als
> Erwachsener merke ich: Wenn man mir sagt wie ich mich in einer Emotional
> geladenen Situation verhalten könnte, so sehe ich das ein, solange ich
> nicht in der Situation stecke, aber wenn diese dann kommt, kann ich nur
> schwer darauf Einfluss nehmen.

Ja, das ist ja auch normal. (Und deswegen ver-
suchen wir ja auch alle, Streit zu vermeiden,
bevor er ausbricht. Wenn er einmal da ist,
ist es schwer, sachlich zu bleiben.)

> (Muss aber dazu sagen, dass ich eigentlich
> recht geduldig bin, vor allem mit den Kindern.)

Dein Kind lernt von Deinem Umgang mit allen
anderen Menschen (mindestens) soviel wie von
Deinem Umgang mit ihm.

> [...]
> Martin


Schobi

--
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Terry Pratchett


.



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