Re: Prozeßtheologie und Naturwissenschaften



"Thomas Nolte" <TNolte@xxxxxx> schrieb am Wed, 9 Apr 2008 19:57:18
+0200:

Aus welchen Gründen auch immer wurde mir Dein Beitrag Message-ID:
ftj020$p9g$1@xxxxxxxxx nicht angeliefert. Ich wurde erst durch die
Antwort von horst-d.winzler auf ihn aufmerksam und er wurde mir von
meinem Newsreader nachgeliefert. Da Du nicht in meinem Filter bist und
ich erstmals am 7. dieses Monats auf einen Beitrag von Dir geantwortet
habe, verstehe ich den Grund nicht. Solltest Du mir nochmals antworten
wollen, dann schicke bitte zusätzlich eine eMail.

Man kann das auch anders sehen. Der Gott des AT rächte sich siebenfach
und laut den Zehn Geboten an den unschuldigen Kindern bis in die 4.
Generation, Jesus droht mit der Ewigen Pein im Feuer unendlichfache
Rache an (Matth. 25, 41-46).

Sind das nicht Projektionen des Menschen, die sich diese Art von Rache von
Gott _wünschen_?
7 und 4 sind dann auch noch mal symbolisch zu deuten.

Überwiegt, selbst im ersten Testament (AT), nicht immer wieder die Gnade
(und damit die Liebe) Gottes zu den Menschen?

Wenn ich das Ertränken fast das ganzen Menschheit oder das Erschlagen
zehntausender unschuldiger Erstgeborener der Ägypter oder den Befehl,
friedliebende Menschen zu versklaven und alle Säuglinge, Kinder,
Frauen und Männer von 6 Völkern anderer Kultur und Religion total
abzuschlachten, als Ausdruck der Liebe und Gnade Gottes zu Menschen
sehen würde, ich würde befürchten, dass mein Denken pervertiert ist.

Muss bei Mt nicht auch die Entstehungszeit des Evangeliums (ca. 80 nChr.)
und die Situation der christlichen Gemeinden berücksichtigt werden?
Verfolgte Christen wünschten sich eine brutale Endabrechnung am Ende aller
Zeit.

Hier siehst Du deutlich, wie das Denken der damaligen Christen
pervertiert gewesen sein muss, wenn sie sich eine brutale
Endabrechnung wünschten. Forderte Jesus von ihnen nicht, die Feinde zu
LIEBEN?

Allzu lange und oft wurde aus der jüdisch-christlichen Frohbotschaft eine
Drohbotschaft gemacht. Und die Zeugen Jehovas tun das heute noch ...

Das NT ist nach meiner Meinung eine Drohbotschaft, die das Letzte
Gericht zu Lebzeiten von Jesus-Zuhörern ankündigt (etwa Matth. 16,
27+28) und Menschen, die Nächstenliebe nicht konsequent geübt haben,
die denkbar sadistischste Strafe androht, die Ewige Pein im Feuer.

Wohl die meisten Menschen haben schon einmal die Not eines anderen
ignoriert, obwohl sie hätten helfen können. Also müsste Dein Jesus
laut Matth. 25, 41-46 fast alle Menschen mit der Ewigen Pein in Feuer
bestrafen!

Ich halte es für Schwachsinn, Nächstenliebe durch Strafandrohung
erzwingen zu wollen. Das schadet dem guten Gedanken der Nächstenliebe
nach meiner Meinung enorm!

Den Gedanken der Nächstenliebe, der auch nach meiner Meinung immer ein
positiver Gedanke ist und den Jesus in den Mittelpunkt seiner Lehre
stellte, sollte man aber auch in Verbindung mit den anderen Punkten
seiner Lehre sehen. Diese Lehre ist eindeutig auf das Ende aller Dinge
zu Lebzeiten seiner Zuhörer ausgerichtet, man muss nur seine
Endzeitreden lesen (Matth. Kapitel 24+25, Mark. Kapitel 13, Luk.
Kapitel 21).

Naherwartung Jesu oder Naherwartung der Evangelisten (Redakteure) und ihrer
Adressaten?

Wie auch immer - laut Bibel - wenn sie das Wahre Wort Gottes wäre -
hätte das Ende aller Dinge vor 19 Jahrhunderten eintreffen müssen.

Jesus kündigt definitiv sein Wiederkommen in der
Herrlichkeit seines Vaters und mit seinen Engeln, um das Letzte
Gericht abzuhalten, noch zu Lebzeiten einiger seiner Jünger an (Matth.
16, 27+28), Paulus bestätigt, dass er und seine Zuhörer dann noch
leben werden (1. Kor. 15, 51+52, 1. Thes. 4, 13-17).

Auch das letzte oder jüngste Gericht wird häufig apokalyptisch negativ
verstanden.
Haben dabei nicht auch platonische Elemente eine Rolle gespielt?

Was spielt es für eine Rolle, wenn dieses Jüngste Gericht, dieses
berechnende Mittel zur Angsterzeugung der Opferdarbringer-Schäfchen
durch berechnende Religionsmacher, auch 19 Jahrhunderte nach der
Ankündigung durch einen vorgeblichen Sohn eines vorgeblich
Allmächtigen nicht eingetroffen ist?

Gegenüber dem "Auge um Auge"-Prinzip, das als _gerechte_ Wiedervergeltung
(Talion) immerhin ein jüdischer Rechtsfortschritt gegenüber dem unbändigen
Racheprinzip anderer Kulturen war (z.B. Babylon, Assyrien) war, ist die
Feindesliebe noch einmal eine (provokative) Überhöhung. Spiegelt sich darin
nicht auch das Gnaden- und Liebesprinzip Gottes wider? Wir sollen in unserer
menschlichen Unvollkommenheit diese Liebe auch untereinander anstreben.

Für mich ist es unsinnig, weil gegen die menschliche Natur gerichtet,
die Liebe zu den Feinden zu fordern. Jesus selbst verflucht doch
andere Menschen als Otterngezücht, warum rät Jesus nicht: überwindet
Feindschaft, toleriert auch andere religiöse Vorstellungen? Für mich
ist es auch pervers, Menschen mit der Ewigen Pein im Feuer bestrafen
zu wollen. Dieser Jesus war nach meiner Meinung ein extrem verwirrter
Weltuntergangs-Prophet, der keine Ahnung hatte, was Liebe ist, sonst
hätte er von denen, die ihm nachfolgen wollen, nicht gefordert, ihre
Eltern und Kinder zu hassen, wie es etwa in der Lutherbibel in Luk.
14, 26+27 steht. Schon gar nicht hätte er die Liebe zu Gott als
höchstes Gesetz unter den Geboten eingefordert (Matth. 22, 35-40),
denn Liebe kann man _unmöglich_ einfordern!

und er fordert auch, dass die Gesetze und selbst das geringste
Gebot bis zum Vergehen der Erde nicht aufgelöst werden sollen . All
das wäre nur unter einem Aspekt wirklich sinnvoll gewesen: wenn dieses
Ende auch vor 1900 Jahren eingetroffen wäre.

"Gesetze" gleich Leitfaden des Lebens? Dann wäre es zeitlich durchaus
universal.

So? Sollen wir jetzt etwa noch Kinder töten, wie Jesus es fordert
(Mark. 7, 10), wenn diese ihre Eltern verflucht haben? Etwa deswegen
verflucht, weil die Eltern ihren Kindern einen Sadisten als Lieben
Gott eingetrichtert haben, der sich an den völlig unschuldigen Kindern
bis in die 4. Generation rächen will, wenn deren Vorfahren ihn hassten
(2. Mos. 20, 5 und 5. Mos. 5, 9)? Wird Dir nicht die ungeheurere
Perversität bewusst, die der höchsten Macht im Sein unterstellt wird?

Es ist _nicht- eingetroffen, auf den Armutsgeboten Jesus wurde das
Gottesgnadentum verwirklicht und die reichste und diktatorischste
Religionsorganisation der Erde aufgebaut, die nicht das Geringst mit
der von Jesus erhofften brüderlichen Gemeinde zu tun hatte und hat und
deren Bosse von protzigen Palästen aus die Bescheidenheit Jesus
verkünden, der denen sagte, die ihm nachfolgen wollen, dass er nichts
habe, wo er sein Haupt niederlegen kann (Matth. 8, 19+20). Mit dem
Missionsgedanke, also dem Taufen aller Nationen auf den christlichen
Gott, wurden ganze Kontinente unterjocht und deren Bevölkerung
weitgehend ausgerottet.

Jetzt deschnert es aber ganz gewaltig! ;-)
Natürlich kann man die Geschichte des Christentums einzig und allein als
mehrbändige Kriminal- und Versagensgeschichte aufzeigen. Aber unterschlägt
man dann nicht mindestens die gute Hälfte von Kultur- und
Zivilisationsgeschichte?

Wie sich die Menschheit ohne die christliche Religion entwickelt
hätte, kann niemand sagen. Wahrscheinlich hatten aber Menschen anderer
Religion die Kontinente Amerika und Australien unterjocht und deren
Bevölkerung vielleicht auch weitgehend ausgerottet. Zur Perversität
wird aber, dass die Verbrechen in Amerika und Australien durch
Menschen erfolgt sind, die den Mann angebetet haben, der die LIEBE zu
den Feinden gefordert hat! Zur Perversität wird eine Religion, deren
Gründer nach eigenem Bekunden nichts hatte, wo er sein Haupt
niederlegen konnte und diese extreme Bescheidenheit und ein
brüderliches Miteinander ohne protzige Titel und ohne hierarchische
Machtstrukturen auch von den Verkündern seiner Lehre gefordert hat,
von scheinheiligen Religionsmachern beherrscht wurde und noch wird,
die von protzigen Bischofspalästen aus unermessliche Reichtümer den
Schäfchen abpressten, die superdiktatorischste Religionsorganisation
aufbauten und selbst auf die am einfachsten einzuhaltende Forderung
Jesus pissten, keinen Menschen im religiösen Sinne als Vater zu
bezeichnen (Matth. 23, 9).

Ich streite keinerlei, individuelles menschliches Versagen im Laufe der
Kirchengeschichte ab. Es gab da entsätzliche Abgründe, wenn ich allein an
die Kreuzzüge, die Inquisition oder den Ablasshandel denke. Aber Deine
(provokante) Sichtweise ist mir doch entschieden zu schwarz gemalt. Nicht
die Organisation hat versagt, sondern jeder einzelne Mensch in ihr.

Ich halte auch nichts davon, wenn man "die Politiker", "die Regierung", "den
Staat", "die Gesellschaft" oder "die Gewerkschaft" für Missstände
verantwortlich macht.

Das sehe ich ganz ähnlich. Jeder einzelne Mensch hat versagt, wenn er
bekennt, dass in der Bibel sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit
steht, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften
aufgezeichnet haben wollte. Der Sadismus, der der höchsten Macht im
Sein in der Bibel nun mal unbestreitbar unterstellt wird, übersteigt
den Sadismus aller Weltverbrecher - wenn in der Bibel die Wahrheit
über Gott stehen würde. Du selbst hast Beispiele christlicher
Verbrechen angesprochen, was aber sollte nach Deiner Meinung das
Verherrlichen eines Supersadisten Positives für ein friedliches,
motiviertes Miteinander ALLER Menschen im Jetzt beitragen können?
Etwa, alle nichtchristlichen Länder wieder durch Christen
kolonialisieren zu lassen und alle Menschen auf den christlichen Gott
taufen, weil einzig auf dieses Ziel das GG des Vatikanstaats
ausgerichtet ist?

Für dieses Miteinander ist nach meiner Meinung keine der
monotheistischen Religionen geeignet, _das_ sollte jeder einzelne
Mensch erkennen, denn diese Religionen trennen Menschen von Menschen,
unterteilen in Gläubige und Ungläubige, dabei kann es nur
Andersgläubige geben!

Peter Zander

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