Re: Suche Psychologie-Internet-Foren mit "Expertenrat"



Am Mon, 20 Mar 2006 09:03:02 +0100 schrieb Guido Stepken:

Wolfram Heinrich schrieb:

Eben. Deshalb sage ich Hunde sind Plastiktragetaschen mit ALDI-Aufdruck.
Und jedesmal wenn du mit mir über Hunde sprichst, muß dir klar sein, daß
ich Plastiktragetaschen mit ALDI-Auftrag meine, jeder andere hingegen
Hunde.
Geht dir das Bescheuerte an dieser Vorgehensweise auf? Jeder Depp versteht
unter Realität die Wirklichkeit und dann kommt ein anderer Narr daher und
sagt, nö, ich will unter Realität das gedankliche Abbild der Wirklichkeit
verstehen. Warum sagt er nicht "gedankliches Abbild der Wirklichkeit" oder
- wenn er denn, aus welchen Gründen immer, ein griffigeres Wort braucht -
Hulmsold? Hulmsold ist ein schönes Wort, es ist noch nicht besetzt und der
Leser weiß zwar lange Zeit auch nicht recht, was mit Hulmsold gemeint ist,
aber er erliegt nicht dem Trugschluß, es für die Wirklichkeit zu halten.

Gott ist eine "kollektive Wahrnehmungsstörung". Glaube mir, Gläubige
sind alle methodisch unterbelichtet, was das kritische Hinterfragen
anbelangt. Wenn man mal genauer hinterfragt, sind die dennoch nicht
bereit, die Existenz von dem Osterhasen, Pinoccio und Harry Potter und
Gott anzuzweifeln ...

Diesen letzten Absatz von dir habe ich dreimal durchgelesen und meinen
eigenen, auf den sich deiner bezieht, viermal. Ich konnte es einfach nicht
glauben und dachte, ich hätte Wahrnehmungsstörungen. Ist dir klar, was da
abläuft? Dein Einwand hat mit dem, was ich zuvor geschrieben habe, über das
*wir* zuvor diskutiert haben, überhaupt nichts zu tun. Ich lasse mich über
die Willkür beim Begriffeschnitzen aus und du antwortest mit Gott und
Gläubigen.
Was ist los? Ist dir die Diskussion peinlich geworden? Sollen wir aufhören?
Ist dir schlecht, bist du krank? Sag doch was!

Ach so, nur fürs Poesiealbum: Pinocchio! Mit h nach den zwei c, weils sonst
Pinotschio wär...

Ein bißchen Präzision möcht sein. Die Statistiken haben festgestellt, daß
die beiden Stoffe für den Durchschnittstrinker geschmacklich nicht zu
unterscheiden sind. Das ist, mit Verlaub, etwas anderes als die
Feststellung, sie seien - chemisch - identisch. Und - o Schlaumeier - wie
tätest du denn die "geschmackliche Wahrnehmung von Substanzen durch
Menschen" messen wenn nicht durch Geschmackstests, anschließende Befragung
und endlich statistische Auswertung derselben?

Keine Aussage möglich.

Heißt: dir fällt auch nichts ein oder heißt: Darf man gar nicht erst
untersuchen?

Probier mal diese isotonischen Getränke
"Gatorate".

Soweit möchts kommen. Wissenschaft hat ethische Grenzen. Abgesehen ist es
"Gatorade" (eigentlich logisch).

Schmeckt nach Schweiß, logisch gesehen also eigentlich genau
das Richtige. In U.S.A. ein Renner, in Deutschland ein Flop. Geschmack
ist wie nach Pawlow anerzogen, eine gruppendynamische Erscheinung.

Ach, es ist dir aufgefallen?

Mit überhaupt keiner. Wer Statistiken erstellt, sucht Antworten auf
quantitative Fragen und Anregungen für qualitatives Weiterdenken und
einiges Zahlenmaterial, damit das theoretische Denken ein bißerl besser als
zuvor fundiert ist.
Ein bißerl muß über die Statistiken - die eigenen oder die von anderen -
schon nachdenken.
Aha, ist das etwa keine qualitative Analyse vor der quantitativen?

Ja, red ich denn nur Scheiße? Es ist eine qualitative Analyse *nach* der
quantitativen. Und wenn ich dann meine Theorie wieder ein Stückchen nach-
und feingeschraubt habe, kann ich drangehen, mir neue, vielleicht feinere
Untersuchungen auszudenken usw. usf.

Ich muß mir doch erst Gedanken machen, was ich wie untersuchen will. Das
ist doch eine "qualitative" Analyse, die dann der "quantitativen"
Analyse, sprich der statistischen Erhebung vorausgehen muß, oder nicht?

Oder wie schon Sepp Herberger sagte: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.
Schon der allererste, der ein psychologisches Experiment gemacht hat, ist
nicht voraussetzungslos in diese Welt gefallen, sondern hat Vorerfahrungen
mitgebracht, die er nun empirisch untersucht hat.

Wenn der Stangl-Professor - den auch ich schätze - dir keine vernünftigen
Antworten geben kann, dann sollte dich das stutzig machen. Ein anderer
Österreicher gibt dir vielleicht einen Hinweis:
Auf schlechte Fragen lassen sich keine guten Antworten geben.
L. WITTGENSTEIN

;-) Lach, vielleicht irrte aber auch Wittgenstein?

Wittgenstein irrte in mancher Hinsicht, sehe ich so, klar. In diesem Punkte
aber sicherlich nicht!

Was ist eine Frage,
hmm? - Eine Aussage und eine Aufforderung. "Wie spät ist es?" - "Ich
weiß nicht, wie spät es ist, bitte sage es mir!". Daher auch
"rhetorische Frage".

Du magst mich der Korinthenkackerei zeihen, aber "Wie spät ist es?" ist
keine rhetorische Frage. Wer so fragt, will eine echte Antwort, die ihn
weiterbringt. Eine rhetorische Frage wäre: "Kann denn Liebe Sünde sein?"
und wirklich beantwortet sie Zarah im nachfolgenden Liedtext selbst.

Was ich meine ist, spätestens Popper hat den Erkenntnisoptimismus der
Wissenschaft soweit abgebremst, als er ziemlich einleuchtend klarmachte,
man könne wissenschaftliche Theorien überhaupt nicht beweisen.

Was bitte? Sicher können wir die Theorie der Anziehung der Massen
beweisen.

Seit wann? Daß zwei Objekte einander anziehen ist ein empirisch zu
beobachtender Fakt, noch keine Theorie. Was Gravitation ist und woher sie
kömmt, haben die Physiker bis heute noch nicht rausgebracht.

Könnte es sein, daß Du Nichtverifizierbarkeit mit
Falsifizierbarkeit verwechselst.

Das zum Beispiel war auch eine rhetorische Frage, so rhetorisch, daß du
sogar das Fragezeichen vergessen hast, obwohl anständige Menschen selbst
nach rhetorischen Fragen ein solches Zeichen setzen.

Und: nein, ich kenne den Unterschied.

Wissenschaftliche Theorien würden, so Popper, sich aber von
unwissenschaftlichen solchen dadurch unterscheiden, daß sie prinzipiell
*widerlegbar* seien. Sei es, daß Fakten auftauchen, welche mit diesen

Nö. Es gibt falsifizierbare Theorien, die wahr oder falsch sind, und
nicht falsifizierbare Theorien, die wahr und falsch sind. Dann gibt es
noch verifizierbare Theorien, die wahr und falsch sind.

Alles mögliche gibt es. Aber wir kriegen es nicht mit letzter Sicherheit
raus, das ist das Problem. Gödel lesen.

Theorien nicht mehr vereinbar sind, sei es, daß die Theorie in sich so
widersprüchlich ist, daß sie unfruchtbar wird. (Ein bißerl in sich
widersprüchlich sind nahezu alle Theorien, weil man halt doch nicht alles
weiß, was man bräuchte).

Nö. Es hängt von dem Argumentationspfad ab, ob eine korrekte Theorie als
widersprüchlich gilt, oder nicht. Ich kann Dir sogar nachweisen, daß die
Gravitationstheorie falsch ist. Nimm superflüssiges Helium, und das
fließt entgegen der Gravitation die Wände hoch. q.e.d.

Im Supermarkt hier ist superflüssiges Helium grad, sie kriegen es nächste
Woche wieder. Obwohl meine Frau nicht begeistert sein wird, wenn ich
superflüssiges Helium die Wände hochlaufen lasse. Aber für die Wissenschaft
muß man Opfer bringen...

Wenn du Wissenschaftler sein willst, lebe mit der Ungewißheit, ansonsten
gehe Baumfällen, da weißt du, was du hast.

Nönönö. Wissenschaft bedeutet inzwischen angesichts der Möglichkeiten
der Simulation was ganz anderes. Das konnten weder Popper noch
Feyerabend vorherahnen.

Jesus! In den Simulationen läuft nur das ab, was du vorher an Theorie in
sie reingesteckt hast. Wenn du eine Wirtschaftssimulation laufen läßt, in
der sich 6 % der Geldscheine nach 33 Tagen in Scheiße verwandeln, kriegst
du was anderes raus, als wenn du diese Erkenntnis nicht einfließen läßt.

Ciao
Wolfram
--
Der Fortschritt ist absolut humorlos, weil er den Optimisten ausgeliefert
ist.
HEINRICH BÖLL
www.theodor-rieh.de
www.theodor-rieh.de/heinrich
www.madonnadellascala.it
.



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