Re: Hermann Bondis Dummenfang
- From: Philo <philo100@xxxxxxxxxx>
- Date: Fri, 3 Sep 2010 03:12:05 -0700 (PDT)
Zunächst werde Akt 1 ein wenig näher beleuchtet. Wesentlich ist, dass
die Lichtsignale, die von C ausgesandt werden, von der Bewegung des C
unbeeinflusst bleiben. Sie treffen ja bei B gleichzeitig mit denen von
A ein. Das Beispiel entspricht in seiner Struktur daher völlig dem
Fall einer Signalausbreitung im Medium, jedoch ohne dass ein Medium
explizit eingeführt wird. Die Beobachter A, B treten an dessen Stelle.
Bondi schließt zwar *verbal* ein Medium ausdrücklich aus, doch sein
mathematisches Modell ist an dieser Stelle gleich dem Medium-Modell.
Das sieht hoffentlich jeder sofort, ansonsten lässt es sich
nachrechnen. Man erhält die üblichen Formeln des Doppler-Effekts. Das
ist ein Beispiel dafür, dass dieselbe Mathematik auf mehrere
inhaltlich verschiedene Fälle passen kann. Einstein macht es ebenso.
Er schafft den Äther ab, indem er 1905 das Wort ÄTHER durch VAKUUM
ersetzt, übernimmt aber sonst vollständig Lorentz' Mathematik, in der
implizit das bevorzugte Bezugssystem steckt. Relativisten verstehen
das allerdings nicht und es ist auch hoffnungslos, es denen erklären
zu wollen.
Betrachten wir nun Akt 2.
Lässt sich das Beispiel aus Akt 1 auf diesen Fall übertragen? Die
richtige Antwort darauf wäre eigentlich: Kann man nicht sagen, es ist
immer eine Sache der physikalischen Erfahrung, inwieweit ein Modell in
einer bestimmten Situation passt oder nicht. Man kann aber folgendes
sagen. Wenn man sich dessen bewusst ist, dass das erste Beispiel
eigentlich ein Medium-Modell ist, dann heißt es vorsichtig zu sein.
Denn bekanntlich gibt es vier verschiedene Dopplereffekte bei
Wellenausbreitung in einem Medium, je nachdem, ob sich der Sender oder
Empfänger im Medium bewegt und wie die Bewegung erfolgt, aufeinander
zu oder voneinander weg. Die beiden Fälle, in denen sich Sender und
Empfänger jeweils aufeinander zu (bzw. voneinander weg) bewegen,
werden unterscheidlich gerechnet. Wesentlich bei der Herleitung ist ,
dass die Bewegung der Welle durch das Medium bestimmt wird und nicht
von der Bewegung des Senders abhängt. Rechnet man Bondis Beispiel mit
den wirklichen Dopplereffekten, z. B. A ruht im Medium, B und C
bewegen sich im Medium, dann erhält man natürlich übereinstimmende
Endzeiten.
Nun betrachtet Bondi gerade nicht den Medium-Fall, er will ja zwischen
Ruhe und Bewegung nicht unterscheiden. Auch dann gilt es vorsichtig zu
sein. Denn dieser Fall liegt in der gewöhnlichen Mechanik vor. Dort
gibt es kein Medium, aber es gibt Frequenzänderungen infolge Bewegung
(Dopplereffekte), wenn man Frequenz mal allgemein mit periodischen
Änderungen in Verbindung bringt. Betrachten wir den Fall, bei dem ein
Schütze B regelmäßig auf eine Scheibe A feuert analog zu Beispiel 2. B
stehe in einem Eisenbahnwagen, entferne sich dabei eine gewisse
Strecke von A, bis ihm Schütze C auf dem anderen Gleis entgegenkommt,
woraufhin jetzt C statt B auf A feuert. Wie können das Beispiel auch
umdrehen. Die Scheibe A bewegt sich erst von B weg und kehrt dann um.
Oder, wenn man nur Inertialbewegungen betrachten will, es fahre eine
zweite Scheibe in die Gegenrichtung. Glaubt jemand ernsthaft, dass
beim Treffen von A und C die Uhren verschiedenen Stand haben? So wie
Bondi bei Beispiel 2 kann man hier schon gar nicht rechnen, daher
erübrigt sich die Frage auch. Der wesentliche Punkt in der Mechanik
ist eben, dass es eine vollständige Relativität der Bewegung gibt, uns
zwar gerade deshalb, WEIL sich die Geschwindigkeiten addieren. Die
Mündungsgeschwindigkeit der Kugeln hängt nicht von der Bewegung des
Schützen, nicht von den Eigenschaften eines Mediums und nicht von
einem Prinzip ab sondern allein von den lokalen Kräften, gleichgültig,
wie sich der Schütze selbst gegenüber der Umgebung bewegt. Die
Umgebung ist uninteressant und daher wird je nach betrachteter
Umgebung die Geschwindigkeit des Schützen in bezug auf die Umgebung zu
denen der Kugeln hinzuaddiert. Ob mit ohne Medium, entscheidend sind
immer die wirkenden Kräfte und nicht etwa wie in der
Straßenverkehrsordnung Prinzipien, Regeln, Gebote und Verbote, wie sie
sich heutzutage in der theoretischen Physik mangels echten Einblicks
in die Verhältnisse breitgemacht haben.
Bondis Methode besteht darin, dass er weder den Fall der klassischen
Mechanik zugrundelegt noch den des Mediums. Es streicht einfach völlig
grundlos zwei der vier Dopplereffekte des Medium-Falls und erhält
notwendig ein sinnloses Ergebnis. Dann behauptet er, sein Ergebnis
beruhe auf besonderen Eigenschaften des Lichts. Die einzige
Eigenschaft, die er ihm andichtet, besteht aber nur darin, dass sich
Licht einerseits wie eine Welle im Medium ausbreiten soll (Akt 1,
Bewegung unabhängig von C), andererseits aber auch nicht (Akt 2,
Vertauschbarkeit wie in der Mechanik ohne Medium). Anders als in der
Mechanik gilt es die implizit eingeführten Annahmen gleich wieder
loszuwerden. Anders gesagt: Es handelt sich um eine frei erfundene
Einführung des relativistischen Dopplereffekts ohne vorherige
Relativitätstheorie. Die Vertauschbarkeit von Ruhe und Bewegung, in
einem durchdachten Modell wie der Mechanik eine reine Trivialität,
wird hier zur welterschütternden Erkenntnis.
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