Re: Vorzeichen der el. Ladung





On 11/20/2005 6:09 PM, Friedrich Hattendorf wrote:
> Hallo Liste,
>
> Hat jemand genauere Informationen darüber, wer es "verbrochen" hat, den
> (damals noch nicht bekannten) Elektronen das negative Vorzeichen
> zuzuordnen?
>
> Ich war immer der Meinung, dies ginge auf Benjamin Franklin zurück. In
> meinen "Spandardquellen (W.Kuhn, Sambursky, Dampier) finde ich dazu nichts.
>
> In Störigs Kleiner Wissenschaftsgeschichte wird Franklin genannt.
>
> dagegen nennt ??? auf der Seite
> www.ieap.uni-kiel.de/et/lehre/skripte/physII/V1.pdf
> Lichtenberg als Urheber.
>
> Heintzmann nennt in
> hera.ph1.uni-koeln.de/~heintzma/ftp/Licht.pdf
> Franklin und Du Fay als unabhängige Entdecker des Effektes und führt aus,
> Franklin habe die Vorzeichen willkürlich festgesetzt.
>
> kennt jemand eine ausführliche zuverlässige Quelle?

Meine Quellen habe ich nicht zur Hand. Ich erinnere mich jedoch dunkel
daran, dass Lichtenberg 1778 lediglich die zuvor schon als Gummi- oder
aber Quartz-Elektrizität bekannten Eigenschaften anziehend bzw.
abstoßend zu wirken in negativ bzw. positiv umbenannt hat. Solche
Experimente hatte mehr als 100 Jahre zuvor Otto von Guericke interessant
gemacht, der mit seiner Schwefelkugel versuchte ein zusätzliches Modell
der Kräfte zu geben welche die Welt über den leeren Raum hinweg
zusammenhalten. Ein anderes Modell zeigt Himmelskörper deren Bahn auf
einer rotierenden flachen Schale von Schwer- und Fliehkraft bestimmt
ist. Guericke war seinerseits durch William Gilbert 1600 angeregt
worden, und die Reibungselektrizität ist speziell bei Bernstein (Name
elektron) seit dem Altertum bekannt. An Guerickes Schwefelkugel hat
übrigens Leibniz den ersten elektrischen Funken beobachtet und
beschrieben. Ich hatte eine Sammlung repräsentativer Reproduktionen von
Guerickes Versuchen aus seinem bekannten Buch als Sieger eines
Wettbewerbs erhalten, halte sie in Ehren, sehe mir sie aber selten an.

Die zitierte Quelle ist also korrekt. Mich stört ein wenig dass als cgs
nur das elektrostatische cgs-System, nicht aber das gelegentlich auch
verwendete duale elektrodynamische cgs genannt ist.

Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass Physiker die Frage
andeuten, ob die elektrischen Ladungen wirklich ideale Punktladungen
sind, ob es also sinnvoll ist für r=0 eine Singularität anzunehmen.
Funktionen die wie sinc für r=0 endlich sind gefallen mir besser.

Dass es so sinnvoll sein mag mit Punktladungen zu rechnen wie mit
linienhaften Strömen möchte ich nicht bestreiten.

Gruss,

Eckard Blumschein



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