Re: Keine unnützen Illusionen über das Privatleben
- From: Martin Eigmueller <kme@xxxxxxxxxxxxxxxxx>
- Date: Sat, 19 Nov 2005 18:24:52 +0100
Hallo Matthias!
Matthias Warkus <mawarkus@xxxxxxxxx> schrieb am 26 Aug 2005:
> Am Wed, 13 Jul 2005 20:30:48 +0200 schrieb Martin Eigmueller:
>> Matthias Warkus <mawarkus@xxxxxxxxx> writes:
>>> Dieser tolle Text lässt mich wirklich ernsthaft darüber nachgrübeln,
>>> ob es so wahnsinnig gut ist, dass in Deutschland (noch) wirklich jede
>>> und jeder gebührenfrei Politikwissenschaften und Soziologie auf
>>> Magister studieren kann.
>>
>> Nachdem Du mir auf meine Argumente in meinem letzten Posting die Antwort
>> schuldig geblieben bist,
>
> Lieber Martin,
>
> in meinem Leben gibt es neben dem Usenet noch eine Frau, eine Menge
> Freunde und Familie (ersteres auch, letzteres vor allem in der alten
> Heimat), eine Mitbewohnerin, deren Katze ich zur Zeit hüten muss, ein
> Studium mit drei Fächern, eine Band, einen Chor, eine Partei nebst
> Jugendorganisation, ein Softwareprojekt, eine Linux-Usergruppe, eine
> Philosophie-Fachschaft nebst Posten im Fachschaftsrat, neulich gab es
> einen längeren Urlaub, bald gibt es eine Referatsausarbeitung und ein
> Newsgruppentreffen mit Kirchenkonzert; bis Ende des letzten Semesters gab
> es auch noch einen Griechischkurs mit Abschlussprüfungen und eine
> Tutorenstelle. Die Prüfung aufs staatliche Graecum kommt auch bestimmt,
> und eine Bewerbung für mein Auslandsjahr schreiben muss ich auch noch. Zu
> allem Überfluss muss ich auch noch essen, trinken, schlafen und meine
> Rechnungen bezahlen, weshalb ich ab und an Verlagsaufträge erledige.
Puh! Mich erschöpft schon das Lesen darüber :-)
Ich gebe gerade Linux-Nachhilfe und entdeckte Deinen Namen bei den
Autoren eines Linux-Buches, das mein Schüler benutzt.
> Daher bitte ich um Verständnis, wenn ich den Traffic dieser Gruppe nicht
> mit der Gründlichkeit bearbeiten kann, die du vielleicht von mir
> erwartest. Ich werde herauszufinden versuchen, auf welches Posting meine
> Antwort so schmerzlich auf sich warten ließ, und mein Versäumnis
> gegebenenfalls nachholen.
Es ging um Dualismus und Descartes cogito. Nicht, daß wir diese
Diskussion in diesem Rhytmus weiterführen sollten. Ich konnte hier im
Sommer ja auch oft nicht schreiben.
> Weiters: Der von dir am Anfang dieses Threads zitierte Text ist eine
> große Anhäufung von Worthülsen und Geschwätz, wie sie Leute, die
> unglaublich stolz darauf sind, Marx und Adorno/Horkheimer gelesen zu haben
> (ob sie sie auch verstanden haben, ist irrelevant), während ihres
> Studiums gerne verfassen und ohne V.i.S.d.P.-Angabe auf Flugblättern in
> der Marburger Mensa abladen. Nicht einmal die (Falsch-)Verwendung des
> albernen toten Wortes "Racket" darf fehlen, denn das ist bekanntlich ein
> Wort, das außer Adi und Horki niemand in den deutschen Sozial- und
> Geisteswissenschaften des 20. Jahrhunderts ernsthaft verwendet hat - mit
> sowas stilisiert man sich schick zum Epigonen. Ich habe dieses Gelaber
> echt *bis* *hier*, und mittlerweile nehme ich sowas wirklich nur noch als
> Indiz dafür, dass bei uns die falschen Leute studieren. (Es besteht
> natürlich die Möglichkeit, das es sich um eine etwas lange Satire auf
> den Jargon der resigniert-emanzipatorischen akademischen Linken handelt
> und nicht um eines ihrer realen Produkte. Als Student der Marburger Uni
> bin ich es allerdings zur Genüge gewohnt, mit solchen Texten konfrontiert
> zu werden, deren Urheber sie bierernst meinen.) Ich werde mich deswegen
> auch nicht daran verschwenden, den Text jetzt in seiner Aussage
> auseinanderzunehmen, sofern man ihm überhaupt eine solche entnehmen kann.
Abgesehen von der Rhetorik schildert er Vorkommnisse, die mir im
Zusammenhang mit den damaligen Willensfreiheits-Threads relevant
erschienen.
> Wer sollte denn nun Politikwissenschaften o.Ä. studieren dürfen? Eine
> gute Frage. Andere Leute auf jeden Fall. Nicht diese Salonkommunisten,
> diese ganzen Architektensöhne und Arzttöchter, die in
> Nonkonformistenuniform rumlaufen und sich für bessere Menschen halten,
> weil sie sich mit Leuten solidarisieren, die Steine auf Polizisten werfen
> (selber würde man das natürlich nie machen!), und die einem auf Partys
> erzählen, man müsse ja verstehen, dass es auf Kuba keine Pressefreiheit
> gebe, das liege schließlich am amerikanischen Handelsembargo.
Kaum jemand ist stolz auf seine kleinbürgerliche Herkunft. Also
ideallisieren viele Großbürgertum, Adel oder Arbeiter. Die größte
Idealisierung des Arbeiters aber ist der Kommunismus. Kleine Anomalie
im System von Alpha bis Epsilon.
> Ich kann nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte.
Scheissen ist Arbeit!
Ciao, Martin
.
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