Re: sFZT



Jan Beaufort wrote:
Ingo Heinscher schrieb:

Wenn etwas neues gefunden würde, woran würde man erkennen können, dass es
sich zweifelsfrei und eindeutig um einen karolingischen Fund handelt?

[...]

Freilich wird die Beantwortung Deiner Frage etwas schwieriger, wenn wir
die FZT mit in Betracht ziehen. Denn dann fällt erstens ein weiterer
Grund weg, der für Traditionalisten durchaus Gültigkeit hat: nämlich die
mittelalterliche Schriftquelle. Wegen des _unvorstellbar_häufigen_
mittelalterlichen Fälschens und Rückdatierens von Texten (das zwar dem
professionellen Historiker, leider aber nicht den vorgeblichen
Traditionsexperten in dsg geläufig ist), hält die FZT sie für weitgehend
unbrauchbar, wenn es um Datierungsfragen geht.

Zweitens kann bislang als karolingisch geltendes Vergleichsmaterial
nicht mehr ohne weiteres zur Datierung von neuen Funden in Anspruch
genommen werden, sofern das Vergleichsmaterial selbst "naiv
karolingisiert" wurde, wie ich es ausdrücke ("naive Karolingisierung" =
Karolingisierung ohne versuchte Entkarolingisierung;
"Entkarolingisierung" = Datierung unter Berücksichtigung der FZT).

Das sagt nur, welche Art von Funden als nicht akzeptabel angesehen wird,
nicht, welche Art von Funden akzeptabel sein soll.

Drittens werden Verfahren zur Altersbestimmung problematisch, weil sie
nur BP-Datierungen ermöglichen, die Umrechung in AD-Datierungen aber
laut FZT anders vorzunehmen ist als traditionell üblich.

Da sehe ich keine Schwierigkeit. Es sollte problemlos möglich sein, Objekte
einer bestimmten Stilperiode (man möge mir die Nichtverwendung von
Fachbegriffen verzeihen) zu finden, die unterschiedlich alt und mittels
"Verfahren zur Altersbestimmung" als solches identifizierbar sind. Wenn
"typisch karolingische" Funde aus vier Jahrhunderte datieren, müssten sich
ja nun Funde auftreiben lassen, die Alterunterschiede von vier
Jahrhunderten aufweisen.

Und viertens ist zu bedenken, dass auch die FZT durchaus eine kurze
Periode der Karolingerherrschaft in Frankreich gelten lässt (nämlich die
Zeit ab Carolus Simplex). Es gibt also durchaus Karolingisches (etwa
Münzen), nur wäre dieses gemäß FZT nicht mehr ins 7. bis 9., sondern ins
10. Jahrhundert zu datieren.

Ich glaube, das zielt vollkommen am Sinn der Frage vorbei. :-)

Es tut mir leid, dass ich Deine Frage nicht _einfach_ beantworten
konnte.

Ich habe den Eindruck, Du hast die Frage missverstanden. Ich wollte eben
_nicht_ wissen, wie man die FZT _nicht_ falsifizieren kann.

Vielmehr lautet meine Frage:, jetzt etwas allgemeiner formuliert:

Auf welche Weise ließe sich die FZT Deiner Ansicht nach falsifizieren?
.



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