Re: Sitcoms und Synchro



Thorsten Roskowetz wrote:

>> Die englische Sprache ist in vielen Belangen kreativer als die
>> deutsche,
>
> Das ist aber sehr subjektiv. Für deutsche Muttersprachler ist die
> eigene Sprache eben gewöhnlich, jede Fremdsprache dagegen "exotisch".

Klar ist das subjektiv, keine Frage, aber es ist nicht nur das
Exotische. In jeder Sprache drückt sich auch eine Mentalität aus, so
auch im Englischen, und diese mag ich, zusammen mit der Sprache selber.
Für mein Gefühl kommen im Englischen Gefühle einfach unverstellter und
direkter rüber, ohne viel Analyse und Distanz.

>> Wortneubildungen zb sind im englischen viel selbstverständlicher (zb
>> Verbisierung von Substantiven). Ausserdem finde ich auch, dass die
>> englische Sprache Gefühle besser und eleganter wiedergeben kann (zb:
>> "I hurt" statt "es geht mir nicht gut / ich bin verletzt, gekränkt").
>
> Den großen Unterschied zw. "hurt" und "sich verletzt fühlen" kann ich
> nun aber beim besten Willen nicht entdecken. Schlechtes Beispiel.

Oh, das ist ein sehr gutes Beispiel :-) Warum? Wie bereits oben gesagt,
Mentalitätsunterschiede. "I hurt" heisst wörlich übersetzt "ich
schmerze" (man beachte hier das Subjekt!). Wogegen es geht mir nicht
gut, ich bin verletzt/gekränkt weit abgeschwächter rüberkommt, wegen dem
"es" und wegen dem "ich _bin_".
Wenn es mir wirklich nicht gut geht, wenn ich zb schweren Liebeskummer
habe, dann passt "I hurt" viel besser und bringt die Intensität wirklich
rüber, _ich_ schmerze, mein Körper, meine Psyche, meine Seele, _ich_ als
ganze Person.

Das kommt im Englischen sehr präzise und intensiv rüber....

>> Und last but not least ist es einfach stimmiger, wenn Person, Stimme,
>> Timbre, Mimik, Gestik und Emotion zusammenpassen. Das macht einfach
>> mindestens 1,5 mal soviel Spass :-)
>
> Eine gute Synchro kann das alles durchaus auch bieten. Die Betonung
> liegt auf "gut".

Eine gute Synchro kann sehr viel davon rüberbringen, da hast Du recht,
nicht alles, aber sehr viel. Leider ist aber fast immer Zeit- und oder
Gelddruck vorhanden, damit ist die Synchro in 95% der Fälle
suboptimal...
Eines der wenigen Beispiele, die mir einfallen, ist jetzt keine
Fernsehserie, sondern ein Film, nämlich das "Leben des Brian", das finde
ich sowohl kongenial übersetzt als auch wirklich gut synchronisiert.

Stefan

.



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