Re: Lehrer und Instrumentenpflicht was:Re: Gitarrenunterricht vom Anfänger



Peter Berlau wrote:
Achim Göbel schrieb am Thu, 05 Apr 2007 11:55:08 +0200:
...
Da schreibst du es doch selber ;-)

Ich gehe davon aus, das die Förderung der musischen Fähigkeiten den gleichen
Stellenwert haben sollte wie das bloße Vermitteln von Wissen und
Fähigkeiten, das nützt nämlich ;-). Und wer keine musische Vorbildung hat
kann die musischen Fähigkeiten auch nicht richtig fördern.

Na ja, ein Musikinstrument ist evtl. zu zu engstirnig gesehen. Musik oder
Kunst oder Theater oder ähnliches.
Mein Wunsch wäre es, wenn jede/r Schüler/in ab Einschulung in der
Grundschule ein Instrument lernen darf und der Unterricht umsonst wäre
und bei Bedarf die Instrumente gebührenfrei zu leihen wären. Scheinbar
hat es in USA so etwas mal gegeben. Eigene Schulbands, inkl. Brass- und
Bigbands könnten das Angebot abrunden.

Wenn Mama und Papa (mindestens) vierstelliges Schulgeld im Jahr bezahlen und sich zusätzlich noch ehrenamtlich für die Schule engagieren (sehr üblich!), dann hat man da einfach mehr Spielraum.

Bei uns im Gymnasium (Schwerpunkt Naturwissenschaften, Leipzig, Sachsen) gab/gibt es u.a. eine Keyboard-AG, von einem Musiklehrer der Schule organisiert, immer Montag nachmittag. Geräte konnte man mitbringen (bevorzugt), aber es gab auch ein paar, die der Schule gehörten (zu meiner Zeit Synth Yamaha SY-85, zwei einfache Arranger-Keyboards Roland E-28, Roland E-16, eine alte E-Orgel aus DDR-Zeiten). Kostenpunkt vor ca. 10 Jahren: 10 oder 15 DM im Monat, also ein Schnäppchen. Einmal die Woche, 2-3h. Stücke: Pop, Balladen, Rock, und Begleitungen für Musicals und Theateraufführungen (ich habe z.B. mal die Violine in Dürrenmatts "Die Physiker" in MIDI eingespielt, die kam dann vom Sequenzer des SY-85). Man sieht: Es braucht keine neuen Gesetze oder Lehrplan-Richtlinien, damit so etwas stattfindet.

Ich halte Musik für ein essentielles Bedürfnis das nicht nur durch
Hören, sondern auch durck aktives "Selbermachen" befriedigt werden
sollte...
naja... man wird ja noch mal träumen dürfen ;o)

Warum reichen da keine Musikschulen oder Gymnasien mit musischem Profil, wie es sie ja schon gibt? Wenn sich Eltern dessen bewusst würden, was sie anderenorts an Schulgeld bezahlen müssten, dann kann doch es doch kaum noch finanzielle Gründe geben, dass ein Kind nicht auf die Musikschule kann. Problematisch ist natürlich die räumliche Entfernung.
Außerdem dürfte es einige Schulen geben, die ein Schulorchester zusammen bekommen.

Schließlich steigert Musik nicht nur die allgemeine Lern- und
Konzentrationsfähigkeit, sondern auch die soziale Kompetenz.

Einen wichtigen Punkt hast du aber vergessen: Jede Branche fordert, dass ihr Gebiet besonders wichtig/wertvoll ist und deshalb der Schulunterricht mehr darauf eingehen sollte.

Grund: Die Unternehmen profitieren ja ganz wesentlich davon, dass sie (in ihrem Feld) gut ausgebildetes junges Nachwuchspersonal bekommen. Was die Kinder in der Schule schon lernen, muss man später nicht mehr kostenintensiv schulen.

Beispiele, die mir jetzt so einfallen:

* mehr Informatik (man erinnere sich nur an die Diskussionen um die "Computer-Inder"). Deutschland als Hochtechnologie-Land braucht Leute, die wissen, wie man mit einem Computer umgeht und z.B. auch programmieren können.

* mehr Wirtschaft (z.B. Börsenwissen und "BWL lite"), wichtig für Banken, Versicherungen, alle Finanzdienstleister, alle börsenorientierten Unternehmen, damit Leute keine "Angst" vor Aktien und verwandten Anlagen haben

* mehr Recht, Medizin (Vorbereitungsphase auf der Uni verkürzen, Leute schneller in die berufliche Praxis bekommen, aktuell dauert das zu lange)

* mehr Naturwissenschaften (Bio/Physik/Chemie), z.B. Grundlagen Verfahrenstechnik, Gentechnik (das kommt immer wenn ein Branchenverband den Fachkräftemangel beklagt)

* mehr Technik (Ingenieurswesen im weitesten Sinne: Automobilbau und Maschinenbau sind ja in D sehr präsent, potentielle Lehrinhalte: Technisches Zeichen (CAD), Entwurf und Konstruktion) (das kommt immer wenn ein Branchenverband den Fachkräftemangel beklagt)

* mehr Fremdsprachen (Vorbereitung auf zunehmende Globalisierung, das brauchen alle international tätigen Unternehmen)

* mehr Sozialkunde/Ethik (soll Zusammenleben in der Schule verbessern, das kommt immer mal wieder nach Zwischenfällen an Schulen)

* mehr Politik/Geschichte, das kommt immer, wenn in einem Wahlergebnis die Parteien an den Rändern von jungen Wählern "zu viele" Stimmen bekommen

* mehr Sport, weil viele Kinder im übergewichtig sind

Ich könnte jetzt überall Referenzen raussuchen, spare mir das aber. Und für jedes Gebiet findet man viele Menschen, die zustimmend nicken würden, wenn man sie nach dem einzelnen Gebiet auf der Straße anspricht und vorher die "richtige" Antwort ein bisschen motiviert: "Ja, [Musik, Sport, Informatik, Wirtschaft, Recht, Technik, (you name it)] sollte mehr in der Schule gelehrt werden."

Aber: Was lässt man stattdessen weg? Oder: Wie lang soll so ein Schultag werden?

Also ich denke, dass AGs schon ein guter Ansatz sind, um Kindern/Jugendlichen zusätzlichen Stoff in etwas zwangloserer Atmosphäre anzubieten. Das kann eigentlich jeder (z.B. Eltern, Lehrer) relativ frei und in Eigenverantwortung organisieren, ohne jahrelang zu hoffen, dass die Kultusministerien der Länder irgendwas an den Lehrplänen ändern.

Ralf
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