Re: Das Kofferrätsel



Sabine 'Sani' Schulz wrote:

Worüber bitteschön erschrickt man bei 10 km/h dermaßen, daß man 'ne
Panikbremsung hinlegt?

Ist für erfahrene Fahrer wohl schwer vorstellbar.

Ich hab das bei dem Tempo das letztemal im Alter von 6 Jahren auf'm Fahrrad
gemacht. Hochsommer, Badehose. Direkt neben dem in so halsbrecherischem
Tempo durchfahrenen, geschotterten Gartentor war ein Brennesselstrauch, so
ca. 2x3 m groß. Das prägt.
Aber ernsthaft - wenn du bei 10 km/h erschrickst, hast du wirklich ein
Problem, also ich für mein Teil würde da die Griffel vom Mopped lassen.
Außerdem fährst du Auto und Roller, Verkehr sollte also nix ungewohntes
sein.

Hast du dir mal überlegt, was das bei 50 oder 100 werden soll?

Ja, da reiße ich dann voll an, entweder ich bin fähig, selbst mit dem
blockierenden Vorderrad umzugehen (muß ich bei meinem Roller) oder ABS
regelt.

Ohne ABS liegst du praktisch sofort auf der Schnauze. Der Regelkreis "Ah, da
is was vor mir, ich könnt' ja mal langsam die Bremse voll durchreißen!"
über das Geräusch des radierenden Reifens bis hin zur Erkenntnis "Moment
mal, das war jetzt vielleicht ein bißchen übertrieben heftig, wenn ich
nicht bald mal die Bremskraft verringere, könnten sich sowohl die fehlenden
Kreiselkräfte als auch die fehlende Fähigkeit des Rades,
Seitenführungskräfte zu übertragen, als nachteilig für das Fahrverhalten
rausstellen" ist viel zu lang. Meist kommst du dann nur bis "Ah," - wenn
überhaupt. Für gewöhnlich macht das quietschbumm, wobei dir das quietsch
erst hinterher bewußt wird. Das bumm auch.

Dosiert bremsen will gelernt sein.

Ja, ab3er da fängt man am unteren Ende an, nicht am oberen. Obwohl, der
Ansatz ist innovativ: "Ich bremse jetzt von mal zu mal vorsichtiger, bis
ich nicht mehr dabei auf die Fresse falle!" Doch, das hat was. Mach das
ruhig so.

Ich bin ja erst am Anfang und muß mich daher noch stark auf die
Koordination Schalten/Kuppeln, richtigen Fuß runterstellen
konzentrieren, was die Reaktionszeit arg verlängert.

Mädel: VORAUSSCHAUEN! Das hat was damit zu tun, daß man nicht auf seine Füße
guckt, sondern nach vorne, und zwar weit! Und der Begriff "vorausschauendes
Fahren" steht damit in engem Zusammenhang!

Um sich voll auf das Rundherum konzentrieren zu können, müssen einige
Dinge automatisch ablaufen und vor allem, man muß seine Maschine gut
kennen und wissen, wie sie reagiert.

Mannomann...alle hier haben mal Fahrschule gemacht. Aber daß da jemand das
Mopped bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit weggeworfen hat, das sollte
mich doch wundern.

Sachma, bei welcher Fahrschule bist du eigentlich? Und wo seid ihr die
ersten drei Doppelstunden unterwegs gewesen?

Darum geht es mir nicht, ich wäre schon immer gerne Motorrad gefahren,
aufgrund meiner Sehbehinderung habe ich davon abgesehen - den R*ller
(ohne eine Ausbildung dafür zu haben) habe ich mir gekauft, weil ich mir
dachte, der fährt nur 55 km/h, da kann nicht viel passieren.

Vielleicht solltest du - in deinem eigenen Interesse - auch weiterhin davon
absehen. Wir hatten seinerzeit im Karatetraining einen Spezialisten, der
hat IMMER die Hucke vollgekriegt, ad libitum, das geborene Opfer, ihm hat
das trotzdem Spaß gemacht, und wir hatten den insgeheim im Verdacht, zum
besonders harten Kern der Maso-Szene zu gehören... Der Typ hat sich bewegt
wie ein Stück Holz. Vollkommen unbrauchbar, überhaupt kein Körpergefühl.
Der Trainer hat sich dann mal mit ihm zusammengesetzt und hat ihm
klargemacht, daß er ihn zwar vielleicht weitertrainiere, aber daß er in 10
Jahren immer noch keinen Gurt und keinen Wettkampf packen werde - ob er
sich dieses persönliche Unfähigkeitszeugnis denn wirklich noch schriftlich
ausstellen lassen wolle. Danach hat er es dann endlich eingesehen.

Im Roten Meer hatten wir ein junges Päärchen an Bord des Tauchbootes, sie
hatte das Tauchen in D gelernt. Ein erfahrener, gelassener Tauchkamerad
ging mit ihr ins Wasser, wohlwissend, daß sie erst 8 oder 10 Tauchgänge
hat. Optimale Bedingungen, 50 m Sicht unter Wasser, Wassertiefe am
Ankerplatz ca. 12 m, der Grund war vom Boot aus zu sehen. Bacherlwarmes
Wasser, das Felsufer 40...50 m entfernt. Also ideale
Anfängervoraussetzungen. Ich ließ mir Zeit, gehe gern als letzter ins
Wasser - und nach 5 min kam das Mädel wieder an Bord - heulend und am
ganzen Körper vor Angst schlotternd, vollkommen aufgelöst. Total durch den
Wind. Ich hab sie dann erstmal beruhigt, wollte wissen was los war, etc.
pp. Irgendwann hatte ich sie wieder soweit auf Linie und wollte selbst ins
Wasser, da ruft sie mir hinterher: "Aber meinen Tauchlehrerschein werd' ich
trotzdem irgendwann machen!!!". In dem MOment hab ich mich gefragt, warum
ich sie nicht einfach ertränkt hab. Ich weiß es heut' noch nicht.

Ein mieser Fahrer bin ich nach 6 Jahren immer noch, aber nur ein Mal
gestürzt trotz der vielen Idioten, die man auf Münchens Straßen
antrifft, warum also sollte es mit einem Motorrad nicht klappen?

Gut. Ich prophezeie dir, daß du über kurz oder lang einen ziemlich
unangenehmen Unfall haben wirst. Ich hab vor meinem Mopped auch einen
R*ller bewegt, einen Simson, so einen Nachfolger der Schwalbe, mehr Mokick
als Roller. Mit dem bin ich selbst bei Glatteis herumgekurvt, mit dem Ding
konnte ich quasi tanzen. Die Umstellung auf 'ne ZR-7 (Fahrschule) war
erstmal ganz schön oha, später dann CB 500, vergleichsweise wie ein
Fahrrad. Dann bin ich mal irgendwann bergab in einer Kurve gewesen und ein
bißchen schnell, und dann war da dieser langsamfahrende Rentner mit Hut.
Aufgerichtet, gebremst, wieder abgewinkelt, weil die Kurve war ja noch nicht
zuende etc. pp. Keine Ahnung wie oft das so ging, jedenfalls wollte die
Scheißfuhre irgendwie nicht langsamer werden. Meine Sozia hing mir im Kreuz
und schob mich gegen den Tank, ich suchte einen Fluchtweg, und irgendwie
hatte ich das Gefühl, mit gummibewehrten Händen direkt auf dem Asphalt zu
bremsen, sozusagen die Reifenaufstandsfläche in der Hand. Es hat dann am
Schluß doch noch gereicht, vielleicht hätte ich auch viel stärker bremsen
können, aber nun ja - Anfänger, ca. 4...5000 km Erfahrung und das erstemal
so richtig mit Sozia unterwegs. Wäre der TYp da vorne einen Hauch langsamer
gewesen, hätten wir dem sicher im Auto gehockt...und du machst dir kein
Bild, wie die Fuhre wirklich schiebt.

und bevor du dich für teures Geld durch die Fahrschule quälst,

Mir macht die Fahrschule Spaß - es ist ein wunderbares Gefühl, so eine
Maschine zu fahren. Und irgendwann werde ich sie auch so beherrschen,
damit ich so fahren kann, wie ich mir das vorstelle.

Ahja. Siehe oben, Taucherin, Karateka.

Ne, ich werde den A-Schein machen und mir eine F650GS kaufen, und damit
werde ich viel Spaß haben.

Na und wir erst!

Vielleicht habe ich sie nicht, aber das riskier ich. Meine
Sehbehinderung kommt dazu, auf die ich stets achten muß, aber mit
Erfahrung kann ich sie kompensieren.

Ein Grund, es bleiben zu lassen. Beim Mopped solltest du wesentlich
vorausschauender und umsichtiger fahren als mit dem Auto - wie willst du
das machen? Schieben?
.



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