Re: Heizung: Preise für Schrägsitzventile, Mischer etc



MartinKobil schrieb:

Sind die Handwerksbetriebe vielleicht durch die Mitgliedschaft in der
Handwerkskammer oder der Innung zwingend an Tariflöhne gebunden?

Theoretisch durch Mitgliedschaft in der Innung. Aber der Haken dabei
ist natürlich immer derselbe: Wenn sich AN und AG auf was anderes
einigen und beide Parteien sich nicht beschweren ist es das halt. Und
kommt der AN an und will mehr, zieht womöglich deshalb vor Gericht,
braucht er danach einen neuen Job. Das kann sich heute kaum einer
leisten. Gerade in Kleinbetrieben findet sich schnell etwas um den
unliebsamen Angestellten loszuwerden, bei Kleinstbetrieben, imho bis 5
Mitarbeiter, ist das sogar noch einfacher.

Oder
halten sich die Firmen nur freiwillig daran und könnten die Löhne
prinzipiell frei mit ihren Mitarbeitern aushandeln? Von staatlicher
Seite gibt es ja keine Lohnvorgaben (Tarifautonomie) und auch
Mindestlöhne sind ja nur in der Diskussion.

Grundsätzlich gilt, wo kein Kläger da kein Richter. Heutzutage werden
wohl viele unter Tarif bezahlt ohne das sie sich beschweren, schlicht
weil sie froh sind in der Geiz-Ist-Geil-Gesellschaft überhaupt einen
Job zu haben. Das sie damit auch selbst weniger ausgeben können
scheint noch nicht bei allen Firmen angekommen zu sein.

Ohne die Höhe der Tariflöhne zu kennen, ich kann mir kaum vorstellen,
daß bei einer ernsthaften Kalkulation Stundensätze von 22 EUR
möglich sind. 22 EUR Stundenlohn kann ich mir bestenfalls bei
irgendwelchen nebenberuflichen Handwerkern (keine Schwarzarbeiter!)
vorstellen, welche eine vorhandenen Garage als Werkstatt/Lager nutzen,
das Privatauto auch als Geschäftswagen und bei denen dank einer
regulären Haupttätigkeit keine Sozialabgaben anfallen.

Ich persönlich halte runde 40 Euro/Std für passend auf einer Rechnung.
Das entspricht ziemlich genau dem, was zu DM-Zeiten üblich war plus
etwas Aufschlag. Das kann je nach Firma und dem eigentlichen Arbeiter
auch schon mal zwischen 30 und 50 Euro schwanken. Junggeselle kostet
weniger als ein Servicemonteur, als Beispiel.

Aber je nach dem wie die Firma kalkuliert und was sie seperat in
Rechnung stellt kann es auch mehr oder weniger sein. Ich kenne Firmen
die schreiben wirklich alles einzelnd auf, vom Dübel über Anzahl der
Bohrungen für Stockschrauben mit Schellen zu gefahrenen 100 Metern.
Ich hatte sogar schon das Vergnügen eine Rechnung zu sehen, da war
jede einzelne Pressnaht aufgeführt. Dafür kam der Stundenlohn dann
natürlich runter. Andersrum schreiben manche Firmen auch Rechnungen,
wo sich mir die Haare aufstellen: Kein Material, kein
Maschinenverschleiss für Kernbohrgeräte und keine Fahrtstrecke, nur
Stundenlohn, der aber dann so gesalzen das unser OP mit seinen 88
Eur/Std schwach aussieht.

Da fragt man sich dann ernsthaft, ob die Handwerker mit den Anbietern
für Mobilnetze um die kompliziertesten Tarife streiten wollen.

Greetz,
MK
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Mein Vorsatz fuers neue Jahr: Ich mache keinen, daran kann ich mich
wenigstens halten.
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