Re: Bücher entsorgen bzw. verstauen



Walter Schmid <News-Schmid@xxxxxxxxxxx> wrote:

Gibt mir das einen Sinn, dass ich weiss, dass 2+3=5 ist? Wohl
kaum...

Das zeigt mir, dass Du 'ideologisch' argumentierst. Rechnen gehört zu
einem sinnvollen Leben. Schon einige Vögel können ihre Eier zählen,
und
sie legen soviele Eier nach, wie weggenommen wurden. - Davon lebt
jeder
Hühnerhalter.

Auch essen gehört zu einem sinnvollen Leben, auch schlafen, Sex, sich
amüsieren, kommunizieren, sicher unterhalten, etc...

Aber sag das zb mal zu einem Depressiven, der seinem Leben keinen Sinn
mehr abgewinnen kann, den nutzen all diese "trivialen" Sachen nicht
mehr, die zwar sinnvoll, aber aus sich heraus keinen Sinn geben können.

Ist wohl von
Mensche zu Mensch verschieden, manchen mehr, manchen weniger. Aber
ich
persönlich kenne keinen Menschen, den ersteres oben erwähntes
(2+3...)
ein Sinngefühl verschaffen würde.

Wer Sinn absolut setzt, wird ihn auf Erden nie finden - und im Himmel
nur sehr sehr unwahrscheinlich.

Genau, Du kannst Sinn nicht absolut setzen, Du "verschaffst" ihn Dir
selber, indem Du etwas als für Dich sinnvoll bewertest, und dann an
diese Sinnstiftung auch glaubst.

Falls Du auf die minimale Moral verzichtest, erlaubst Du jedem, Dich
beliebig zu drangsalieren (er darf Dich sogar daran hindern, Dich
umzubringen, wenn Du es gerade tun möchtest). Das kannst Du nicht
wollen. Deshalb *weiss* ich, dass es eine universale Minimalmoral
braucht.

An die Du dann allerdings auch _glauben_ musst.

An Bewiesenes auch zu glauben ist nie ein Problem. Aus Wissen folgt
Glauben rein logisch.

Was ist bitte daran bewiesen? Es gab und gibt Völker und Nationen, die
ihre Gegner ohne jeden Skrupel töten, und die leben aus ihrer Sicht
recht gut damit. Die genügen natürlich Deiner "bewiesenen" Mindestmoral
überhaupt nicht, was denen aber egal ist / war, weil sie eben nicht an
die von Dir postulierte Moral _glauben_...

Also ist an Deiner Moral so überhaupt nix "bewiesen", sorry... Das ist
einfach eine Übereinkunft einer bestimmten Gesellschaftsform.

Ich kann auch wissen,
dass es sinnvoll ist für benachteiligte Menschen Geld zu spenden.
Wenn
ich allerdings nicht daran _glaube_, dass das auch einen Sinn hat,
werde
ich es trotzdem nicht tun.

Weil Du dann verrückt bist. Nur Verrückte verletzen einfachste Logik.
Ein gesunder Mensch kann gar nicht etwas wissen und /dasselbe/ nicht
glauben.

Das funktioniert aber nur bei "Tatsachen", alles, dem Du einen
moralischen oder menschlichen Wert beimisst, ist eine Glaubenssache.

Das heisst, ohne irgendein Wertesystem (an das ich glaube) nutzt mir
alles Wissen nix.

Das ist trivial. Aber vielleicht ist es noch nicht zu Dir
vorgedrungen,
dass unser Hirn über ein ausgefeiltes Bewertungssystem verfügt. Es
wird
schlechthin jeder Reiz bewertet: als 'wichtig gut', 'wichtig schlecht'
oder 'neutral'. Werte muss man deshalb nicht in Büchern oder sonstigen
Ueberlieferungen suchen, sondern in uns als Lebewesen.

Eben, um Deine Argumentation fortzusetzen, mit dieser Bewertung glaubt
jeder Mensch an etwas ihm ganz Eigenes, er bewertet die "Fakten" je
nachdem, was ihm selber wichtig ist, je nachdem, woran er "glaubt" (ganz
allgemein gesprochen, je nach seinem Wertesystem).

Es ist ganz banal, wenn man an gar nichts mehr glaubt, ist die
Wahrscheinlich gar nicht so klein, dass man sich früher oder später
"die
Kugel gibt".

Ist nicht schlimm, wenn man das machen will, entscheidet ja jeder für
sich selbst. Meine Behauptung hat ja nix mit der moralischen
Bewertung
eines Suizids zu tun. Ich sag nur, dass fast alle Menschen für ein
halbwegs glückliches, halbwegs erfüllendes, oder auch nur halbwegs
lebenswertes Leben, die eine oder andere Art von Glauben brauchen,
wie
minimal der auch immer sein mag.

Aber es ist nicht jeder Glaube gleichwertig. "An ihren Früchten werdet
ihr sie (die Glaubenslehren sind gemeint) erkennen", heisst es in der
Bibel. Die 'Früchte' der Bibel sind grossenteils grauenhaft.

Welcher Glaube richtig oder falsch für Dich ist, ist natürlich wieder
Deine ganz persönliche Bewertungs- und damit Glaubensfrage
bzw. -entscheidung.

Du übernimmst stillschweigend ein religiöses Verbot - das in seiner
Absolutheit gegen die Vernunft ist. Die Vernunft verbietet Suizid
nur
wenn daraus schwere Nachteile für Ueberlebende entstehen. Bei
Alleinstehenden ist das in der Regel nicht der Fall.

Ähm, wo übernehme ich dieses Verbot?

Wenn Du Suizid als ein Uebel darstellst - und es war ja als Einwand
gegen mich gerichtet: also negativ gemeint - muss das einen Grund
haben.
Da die Vernunft ihn nicht liefert, muss es eine Art Religion sein.

Sorry, aber Deine Interpretation kann ich bei bestem Willen nicht an
meinem Satz herauslesen. Kann es sein, dass es _Dir_ ein bissl an Logik
fehlt? :-)

Ich glaub, das hast Du mehr in
meinen Satz hineininterpretiert als tatsächlich drinnengestanden ist
:-)

ich denke, ich habe korrekt gefolgert.

Du denkst, Du hättest korrekt gefolgert, ich weiss, Du hast es nicht,
weil ich den Satz formuliert habe, und ich weiss, dass die von Dir
interpretierte Wertung in meinem Satz weder vorhanden noch intendiert
ist.

Stefan

.



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