Das Buch zum Film



Das Haus Zweitausendeins bringt jetzt die ganze Schlegel-Tieck-Übersetzung
in einem Band für 7,99 Euro unter die Leute, was ja schon an und für sich
löblich ist. Zudem eröffnet die Anpreisung (zumindest mir) völlig neue
Perspektiven, da es dort heißt:

"Shakespeare genießt eine überragende Stellung in der Weltliteratur. Er ist
der erfolgreichste Schriftsteller aller Zeiten, der am häufigsten verfilmte
Autor in Hollywood ('Titanic' ist eine Romeo und Julia-Verfilmung)."

Obwohl ich das Stück kenne und den Film gesehen habe, wäre mir dieser
Zusammenhang verborgen geblieben, wenn eben nicht das besagte Verlagshaus
einen so offenbar der Waschpulver-Werbung entsprungenen Texter beschäftigte,
der einen auch darüber aufklären kann. Gleich darauf verspricht er aber
etwas zu viel:

"Er hat die Grundmuster für tragische Liebesgeschichten geschaffen (Romeo
und Julia), für den Generationskonflikt (König Lear), für das
Eifersuchtsdrama (Othello), für jeden spannenden Actionfilm (Hamlet)."

Denn in dem letztgenannten Stück geht es doch eigentlich gerade darum, dass
die Action nicht so recht in Gang kommt. Erst zum Schluss hin, und selbst
dann gibt es weder gewaltige Explosionen mit Stichflammen noch
halsbrecherische Verfolgungsjagden mit Autos und Hubschraubern. Liebhaber
solcher Vorführungen, deren einschlägige Erwartungen so geweckt wurden,
dürften deshalb von "Hamlet" eher enttäuscht sein.

MfG
CH



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