Re: Anfaenger



On Wed, 21 Dec 2005 21:33:50 +0100, W.H.Greiner wrote:
> Bevor Du hier schreiben darfst, mußt Du erst mal mindestens 1 Jahr auf
> einer mechanischen Schreibmaschine, dann zwei Jahre auf einem PC ohne
> Internetverbindung und weitere drei Jahre in einem moderierten Webforum
> geschrieben haben - sonst kommt eben so ein Mist raus wie oben ;-)
Zu knapp gewaehlt! Diese Voraussetzungen erfuelle ich sogar. Nur war die
Schreibmaschine elektrisch.

> Himmelherrgott: ist es denn wirklich so abwegig, einem alpinen
> Anfänger, der nach eigener Aussage bisher nur Mittelgebirge kennt,
> für allererste Allein(!)touren in den Alpen von einem 3000er abzuraten?
Nun lassen wir mal die Kirche im Dorf. Niemand hat ihm gesagt, er solle
doch bitte mit einem 3000er anfangen. Er hat nach Tips gefragt, ihm wurde
ein Buch genannt - als Beispiel eines guten Fuehrers. Ich persoenlich bin
durchaus der Meinung, dass ein sportlich fitter Mensch keine Probleme
haben sollte, sich an das Bergsteigen auch alleine heranzutasten -
basierend auf meiner Erfahrung mit Leuten, die ihr Wissen aus DAV-Kursen
haben, und die ich beim Klettern erlebe.

> Ich bin in Bayern zuhause; hier und im angrenzenden Österreich gibt's
> jedes Jahr wieder ein paar Bergunfälle mit Toten und/oder
> Schwerverletzten, weil sich unerfahrene Leute schlicht verschätzt
> haben...
Dann solltest Du aber auch wissen, wie es an jedem beliebigen
Sommerwochenende in den Bergen zugeht. Der OP hat 90% der Leute, die da
herumkraxeln, eines voraus: Er ist interessiert. Man darf mit gutem Recht
davon ausgehen, dass er neben der Bedienung eines Newsreaders auch einen
Wetterbericht lesen kann und auch die Warnungen in einem Buch. Er wird
nicht in Turnschuhen auf Schneefeldern rumrutschen oder ohne Jacke im
Gewitter stehen. Ich glaube kaum, dass in einem Buch mit Titel "einfache
3000er" Sachen drinstehen wie "bei schlechter Wetterprognose machts erst
richtig Spass, weils dann um jede Sekunde geht" oder "Biwaksack aus
Gewichtsgruenden im Tal lassen!". Und ganz ehrlich, ein entsprechend
vorsichtiger Anfaenger ist mir tausendmal lieber als ein
Hochleistungsalpinist auf seiner ersten selbstaendigen Tour, der
vorher alles Wissen eines Bergfuehrers absorbiert hat. Ich behaupte, dass
ersterer eine wesentlich hoehere Chance hat, unangenehmen Situationen
auszuweichen.

> Gottseidank immerhin noch - Biwaksäcke. Dank guter Ausrüstung waren
> wir zu keinem Zeitpunkt unmittelbar in Gefahr. Trotzdem - und obwohl ich
> die Gegend damals schon sehr gut kannte und zudem bereits 15 Jahre
> Erfahrung mit wochenlangen Trekkingtouren bis z. T. weit über 5000 m
> Höhe hatte - hat mich die Vorstellung, meine vier noch wenig
> bergerfahrenen Begleiter am nächsten Morgen über den normalerweise
> harmlosen, nun aber verschneiten, steilen Felsensteig sicher ins Tal
> bringen zu müssen, die restliche Nacht kaum noch schlafen lassen :-/
Ich kann leider fuer mich nicht in Anspruch nehmen, in meinen
Wetterstuerzen ein so gutes Bild abgegeben zu haben. Bei mir war es
jedesmal bodenlose Dummheit, Risiko wider besseres Wissen; da bin ich
nicht stolz drauf. Wuesste auch nicht, was mir diese Erfahrung hilfreiches
bieten sollte. Freiwillig in Wetterstuerze bin ich auch vorher nicht
gegangen, aber da ist noch diese 4-Stunden-Route, und das Gewitter kommt
erst in 5... sowas ist eher die Dummheit der Erfahrung, wuerd ich
behaupten.

> Einen allein gehenden Anfänger mit einem Buch in der Hand ausgerechnet
> auf einen 3000er zu schicken ist nicht nur gefährlich, sondern auch
> reichlich sinnfrei: außer unkalkulierbaren Risiken hat der kaum was
> davon.
Nun ist mit einem 3000er nicht der Eiger und mit "leichten Wegen" nicht
seine Nordwand-Diretissima gemeint. Es gibt, dem Vernehmen nach, durchaus
3000er, die etwas weniger zur Sache gehen und insofern auch dem gemeinen
Bergsteiger Genuss ermoeglichen. Der OP hatte nach einer Huettentour
gefragt. Ich wuesste nicht, warum ein Anfaenger nicht eine Wanderwoche
durch einen 3000er kroenen sollte.

Ich versteh ja, dass ein 3000er nicht als ideal angesehen wird, aber da
empfiehlt einer ein Buch, das Du offensichtlich auch nicht kennst, und
wird dafuer als "sinnfrei" beschimpft: Das finde ich nicht in Ordnung. Da
sind mir zu viel Standesduenkel im Spiel, sorry.

Beste Gruesse,
Moritz
.



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