Re: Anfaenger
- From: W. H. Greiner <whgreiner@xxxxxxxxxxx>
- Date: Wed, 21 Dec 2005 21:33:50 +0100
Moritz Hammer schrieb in dem Posting
<pan.2005.12.21.16.45.53.127283@xxxxxxxxxxxxx>:
(...)
>Sind dann einige Dutzend dieser 3000er
>bestiegen, darf sich der Anfaenger nun schon als Fortgeschrittener
>fuehlen. Er darf dann selbststaendig den Wetterbericht lesen,
>und eines fernen Tages wird er selbst als fachkundige Begleitung
>akzeptiert werden.
>
>Vorher allerdings muss er mindestens fuenf Wetterstuerze ueber 3000m
>erlebt und drei _sehr_ anspruchsvolle Rueckzuege gemeistert haben. Wie
>alle, die hier schreiben. Oder?
Bevor Du hier schreiben darfst, mußt Du erst mal mindestens 1 Jahr auf
einer mechanischen Schreibmaschine, dann zwei Jahre auf einem PC ohne
Internetverbindung und weitere drei Jahre in einem moderierten
Webforum geschrieben haben - sonst kommt eben so ein Mist raus wie
oben ;-)
Himmelherrgott: ist es denn wirklich so abwegig, einem alpinen
Anfänger, der nach eigener Aussage bisher nur Mittelgebirge kennt,
für allererste Allein(!)touren in den Alpen von einem 3000er
abzuraten? Ich bin in Bayern zuhause; hier und im angrenzenden
Österreich gibt's jedes Jahr wieder ein paar Bergunfälle mit Toten
und/oder Schwerverletzten, weil sich unerfahrene Leute schlicht
verschätzt haben...
Wer sowas als "Flachlandtiroler" noch nie erlebt hat, der kann sich
schwerlich vorstellen, wie herb ein Wetterumschlag auf >>2000 m werden
kann. Den wüstesten Schneesturm meines Lebens z. B. habe ich im
hochsommerlichen Italien auf "nur" 2500 m erlebt: am Lago Niera (Valle
Maira, Nähe Turin). Wir haben dort biwakiert; beide Zelte (renommierte
Bergsteigerzelte, kein Schrott, und auch sehr wohl sorgfältig
abgespannt!) waren danach wegen Gestängebruch bloß noch - aber
Gottseidank immerhin noch - Biwaksäcke. Dank guter Ausrüstung waren
wir zu keinem Zeitpunkt unmittelbar in Gefahr. Trotzdem - und obwohl
ich die Gegend damals schon sehr gut kannte und zudem bereits 15 Jahre
Erfahrung mit wochenlangen Trekkingtouren bis z. T. weit über 5000 m
Höhe hatte - hat mich die Vorstellung, meine vier noch wenig
bergerfahrenen Begleiter am nächsten Morgen über den normalerweise
harmlosen, nun aber verschneiten, steilen Felsensteig sicher ins Tal
bringen zu müssen, die restliche Nacht kaum noch schlafen lassen :-/
>P.S.: Wenigstens ich moechte Peter und Henning danken, dass sie gute
>Vorschlaege gebracht haben.
Durchaus einverstanden; nur das mit den "leichten 3000ern mit Weg" war
für einen alleingehenden Anfänger nun wirklich _kein_ guter Rat.
Nochmal: es gibt in den Alpen jede Menge wirklich wunderschöne (und
auch für "alte Hasen" noch in jeder Beziehung lohnende!) Wanderungen
mit wenig über 2000 m Maximalhöhe, die sich auch ein allein gehender
Anfänger zutrauen kann, ohne sich dabei unnötig in Gefahr zu begeben.
Wenn schon gerade vom Valle Maira die Rede war: dort z. B. der
Maira-Weg (Literatur: "Antipasti und alte Wege", Rotpunkt-Verlag). Ich
weiß, wovon ich rede und schwärme: ich bin diesen Weg voriges Jahr
selber eine Woche lang gegangen, alleine, einfach nur zu meinem
persönlichen Genuss. Und weil's so schön war, möchte ich ihn nächstes
Jahr mit meiner Freundin zusammen gleich nochmal gehen...
Einen allein gehenden Anfänger mit einem Buch in der Hand ausgerechnet
auf einen 3000er zu schicken ist nicht nur gefährlich, sondern auch
reichlich sinnfrei: außer unkalkulierbaren Risiken hat der kaum was
davon.
Gruß, Walter
.
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