Re: Lernmethoden



On Fri, 6 Jul 2007, Florian Laws wrote:

Falls jemand entsprechenden Zugriff hat, der Originalartikel ist
wahrscheinlich

Alan Kersten and Julie Earles
Less really is more for adults learning a miniature artificial language.
Journal of Memory and Language,
Volume 44, Number 2, February 2001 , pp. 250-273(24)

Abstract:
Three experiments provide support for a key prediction of Newport's
(1988, 1990)"Less Is More" Adults were found to learn a miniature artificial
language better when they were initially presented with only small segments
of language than when they were presented immediately with the full
complexity of the language. Adults who were presented initially with
individual words and only later with complex "sentences" composed of several
such words learned the meanings and morphology of those words better than
did adults who were presented with sentences throughout learning. The
externally imposed constraint of processing only small segments of language
is conjectured to be similar to the internal processing constraints of
children that have been proposed to aid children in their acquisition of
language.

Irgendwo geht mir immer noch der Überraschungseffekt ab. Welche
Versuchsanordnung ist denkbar, bei der nicht genau das das von allen
erwartete Ergebnis ist?

Ich hätte meinen Einwand vielleicht deutlicher darstellen können: Es gibt
Dinge, die lernt man ganz offensichtlich in der Muttersprache nur durch
Immersion, zum Beispiel die Reihenfolge der Objekte ("ich gebe ihm (3->4)
das Buch" aber "ich gebe es (4->3) ihm") oder die Reihenfolge der Adverbiale
(im Deutschen: Zeit, Grund, Art und Weise, Ort wenn nicht die Betonung
dagegensteht). Wenn man eine Fremdsprache lernt, lernt man ein paar solcher
Dinge in der Form von Regeln, weitaus das meiste aber ebenfalls durch
Immersion (nicht notwendig im Land, evtl. auch durch vieles Lesen). Manches
klingt dann richtig, anderes klingt falsch, ohne dass man irgendeine Regel
dafür je gelernt hätte. Morphologie lernt man bei Fremdsprachen zwar bewusst
als Regeln, merken kann man sich die Formen aber ebenfalls nur im
Zusammenhang. *Nur* Wörter kann man isoliert pauken, und selbst da gibt es
genug Vokabeln, die einem nur im Zusammenhang einfallen (etwa: "ich würde
hier spontan das Verb 'attain' benutzen, aber ich muss erst nachschauen, was
es genau heißt und ob es hier passt": offenbar ist von der Vokabel nur
bekannt, in welchem Zusammenhang sie vorkommt -- und fast immer ist es die
richtige).

Wenn nun der Versuchsaufbau vor allem das häppchenweise Lernen von Dingen
misst, die man häppchenweise lernen kann -- also nur Vokabular, nicht aber
Stil, Idiomatik, Pragmatik, Syntax, flüssiges Sprechen und Verstehen des
gesprochenen Wortes, Aussprache, Prosodie --: wen wunderts, dass dann die
Häppchenweise-Methode gewinnt?

--
Helmut Richter
.



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