Re: Wikipedia



* Thomas Koenig wrote:

> Malte Milatz wrote:
>
>>| Wenn ich [...] grundsätzlich alles, was dort steht, überprüfen muss,
>>| taugt mir das Werk genau gar nix.
>>
>> _Grundsätzlich_ muß jede angebliche Tatsache überprüft werden - dafür
>> ist die örtliche Tageszeitung meiner Region ein wunderbares
>> Beispiel.
>
> Ach was. Bei normalen Enzyklopaedien ist Ueberpruefung
> Zeitverschwendung, gar genau im Gegensinn eines solchen Werkes.

Du hast "grundsätzlich" nicht verstanden. Es kommt eben darauf an,
wieviel davon abhängt. Um die richtige Sorte Flugbenzin auszuwählen,
verlasse ich mich nicht auf den Brockhaus [hier immer stellvertretend
gemeint], das überprüfe ich in zuverlässigeren Quellen.

> Bei der
> Wikipedia braucht man allerdings auch nicht alles ueberpruefen.
> Allerdings ist eine genaue Pruefung folgender Eintraege notwendig:
>
> 1. Politisch-Weltanschaulich umstrittene Begriffe (Beispiele: "Sekte",
> "Rechtschreibreform", "Deutschland")
> 2. Ein wenig esoterische Begriffe (Beispiel: "Spektraltheorem")
> 3. Im Entstehen befindliches Wissen
> 4. Ueber $Zeitraum (1-2 Tage) instabile Artikel (-> Vandalismus)

In gewissem Maße gilt das bei 1.-3. auch für den Brockhaus - das sind
Gegenstände, über die eben keine gewissen Aussagen gemacht werden
können. Man erkennt das deutlich, wenn man mal in einen einige Jahre
alten Brockhaus schaut.

> Die Menge aus 1.-4. duerfte zwar einen Grossteil der Artikel betreffen,
> aber um herauszufinden, wie die Hauptstadt Kameruns heisst oder welche
> chemische Ordnungszahl Gold hat, kann man die Wikipedia sicherlich
> heranziehen. Einfacher (und noch reliabler) ist in solchen Faellen
> allerdings meist der Zugriff auf Google.

Jetzt führst Du die Idee der Enzyklopädie ad absurdum, genau wie ich,
als ich sagte, wenn ich was über japanische Literatur wissen will,
schaue ich lieber in ein Buch über japanische Literatur als in eine
Enzyklopädie. Du sagst, man brauche gar keine Enzyklopädie, sondern nur
einen ausreichend guten Index für die Bibliothek. Was Du aber zu
übersehen scheinst, ist, daß Google keine sorgfältig geführte Bibliothek
indiziert, sondern eher einen Bücher- und Comicflohmarkt (auch
zahlreiche Kladden vorrätig!).

> [...] Wikipedia erfindet zB gerade Google neu, ist mithin
> hyperfluid, gar schaedlich, weil viele sie gebrauchen, als waere es ein
> ernstzunehmendes Lexikon.

Es ist auch schädlich, daß viele Leute Google benutzen, als wäre es ein
Lexikon. Die Benutzung von Google, Wikipedia oder Brockhaus ist nur dann
nicht schädlich, wenn man dabei den Kopf einschaltet.
--
Oliver C.
45n31, 73w34
Temperatur: 26.5°C (Humidex: 28) (16 August 2005 6:00 PM EDT)
.



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