Re: Parkstellung Automatikgetriebe



Am 23.08.2010, 23:33 Uhr, schrieb Leander <leander66@xxxxxxxxxxxxxx>:

Ist die Parkstellung bei einem Automatikgetriebe
eigentlich gleichzusetzen mit dem ersten Gang bei einem Schaltgetriebe?

Nein.

BTW: Hast du ein bestimmtes Automatikgetriebe / Auto im Blick?
Evt. ins Handbuch schauen. ;-)

Man kann sich ja erstmal anschauen, was da jeweils wirkt.

1) Die Parksperre eines Automatikgetriebes
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"Automatikgetriebe" allein ist immer so unspezifisch. Gibt ja etliche Typen:

a) Klass. Automatikgetriebe mit Planetenradsatz
b) CVT-Getriebe (variable Kegelräder, eine Kette dazwischen)
c) Doppelkupplungsgetriebe
d) Automatisierte Schaltgetriebe

Nehmen wir mal je einen Vertreter her, und schauen uns bei VW die Realisierung der Parksperre am Beispiel an:

a) Klassische Automatik -> Parksperre in der 6-Gang-Automatik des Audi A8
2003

Die Funktion der Parksperre in diesem Getriebe sieht man hier drin:
http://www.christiani.de/pdf/74385_lese.pdf

Bei: b) CVT -> Multitronic (VW Selbststudienprogramm 228)
und c) DSG -> Parksperre im DSG 0AM (das 7-Gang-Getriebe bis 250 Nm) VW
Selbststudienprogramm 390

sieht das im Prinzip exakt genau so aus, wie oben bei a). Es gibt an einer Welle im Getriebe ein Parksperrenrad mit relativ groben Zähnen. Dort rastet eine kleine Sperrklinke ein.

Bei d) ASG -> Im Lupo 3L (VW Selbststudienprogramm 221), außerdem das Teil, was wir im Mazda 2 DY 1.4 haben: Hier wird üblicherweise keine Parksperre eingebaut, wohl um das zu Grunde liegende Schaltgeriebe an sich so zu lassen, wie es ist. Sondern man soll im Bedarfsfall die Feststellbremse benutzen, um das Fahrzeug gegen Wegrollen zu sichern. Steht auch in der Bedienungsanleitung. Und es gibt Warnlampen dafür.

2) Die Handbremse
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Hier meinst du eigentlich die Feststellbremse des Fahrzeugs. Diese wirkt über Bremsbeläge auf Bremstrommeln oder Bremsscheiben in 2-4 Rädern.

Vergleich
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Wirkungsort

Parksperre: wirkt im Getriebe, im Antrieb sind dann also noch Getriebewellen, Differenziale, Antriebswellen dazwischen. Wirkt insgesamt nur auf die angetriebenen Achsen. Meist vorn.

Feststellbremse: wirkt relativ direkt auf die Bremsscheiben/Bremstrommeln, und greift damit ganz nah an den Rädern an. Wirkt auf die Achse, wo die Feststellbremse halt wirkt. Meist hinten.

Größe der Reibfläche

Parksperre: relativ klein, nur das bisschen zwischen dem Einrastzahn der Sperrklinke und dem Parksperrenzahnrad, also wenige cm².
Feststellbremse: relativ groß: Bremsbeläge auf Bremsscheiben, oder Bremsbeläge in den Bremstrommeln. Deutlich mehr cm².

Anpresskraft

Parksperre: eher klein, aber unabhängig vom Benutzer
Feststellbremse: je nach Anzug durch den Nutzer, tendenziell größer

Was man schlussfolgern kann:
Durch mehr Anpresskraft, größere Reibfläche und direkte Wirkung hält die Feststellbremse hält deutlich mehr Hangabtriebskraft, also Fahrzeugmasse * sin(Neigungswinkel).

Anders gefragt: Wann ist die Parkstellung bei Gefälle nicht mehr
ausreichend, so dass man zusätzlich die Handbremse nutzen sollte/muss?

Übrigens: An der Formel sieht man, dass neben dem Sinus des Neigungswinkels auch die Fahrzeugmasse eine Rolle spielt.

Merkt man das gleich oder kann sich das Fahrzeug evtl. auch erst
später plötzlich in Bewegung setzen?

Konkrete Werte kenne ich nicht. Aber bei jedem "spürbaren" Neigungswinkel des Untergrunds nehm ich in meinem Auto mit klass. Wandlerautomatik die Feststellbremse dazu. Problematisch bei der Parksperre im Getriebe ist ja, dass das Ding da tief drin eingebaut ist. Wenn das Ding also kaputt geht (z.B. durch Überlastung), hat man richtig Stress.

Ralf
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