Re: Fahr doch auf dem Radweg, Mann!
- From: Dietmar Hollenberg <dietmar_hollenberg@xxxxxx>
- Date: Tue, 29 Dec 2009 20:57:38 +0100
Stefan Zickenrott schrieb:
Am 26.12.2009 16:53, schrieb Dietmar Hollenberg:
Marc Gerges schrieb:
Der Autoverkehr in der Stadt ist zu
einem Grossteil nicht von den Städtern verursacht, sondern kommt von
ausserhalb.
Richtig, und wenn man sich mal ansieht, weshalb das so ist, ist es auch
völlig verständlich. Wer soll einen Bus nutzen, der um 10:36 und 15:36
Richtung Stadt fährt und analog wieder zurück?
Warum soll der Buss zu den zeiten fahren zu denen seinen potentiellen
Kunden die Straßen mit ihren KFZ verstopfen?
Es gibt doch dumme Fragen...
Natürlich aus dem einzigen Grund, damit sie genau das *nicht* tun. Und
das schafft man nicht, indem man entweder zu dieser Zeit gar kein
Angebot macht oder ein völlig unattraktives mit trotz Stau beim
Individualverkehr dreifacher Fahrzeit.
Die meisten
Funktionierenden ÖV sind kaputt boykotiert und deshalb eingestellt worden.
Die meisten ÖV haben nie wirklich funktioniert und stecken bis heute in
kaiserzeitlichen oder noch älteren Denkweisen fest. Die Zeiten, wo die
Alternative zum Zug oder zur Postkutsche Zu Fuß Gehen war, sind lange
vorbei. Jetzt muß der OV in Konkurrenz zu PKW und hochwertigen
Fahrrädern treten. Die technischen Möglichkeiten dazu existieren. Sie
müssen nur genutzt werden.
Und nein, diese Möglichkeiten bestehen nicht darin, den Verkehr zu starr
festgelegten Zeiten entlang starr festgelegter Strecken in möglichst
großen Fahrzeugen zu transportieren, so daß sich die Leute gefälligst an
das Angebot des ÖPNV anzupassen haben. Ihr Auto und ihr Fahrrad erwarten
das von ihnen auch nicht. Zumindest dem interessierten Publikum
außerhalb dieser starren Strecken und Zeiten ist ein annähernd ähnlich
flexibles Angebot wie der eigene PKW oder das Rad zu machen. Dabei sind
auch Mischkonzepte denkbar: Die großen, bekannten und kalkulierbaren
Ströme werden auf schnellen Linien mit wenigen Haltepunkten an den Ein-
und Ausstiegstellen des Hauptstroms transportiert, die lokalen und
zeitlichen Lücken mit flexiblen Modellen gefüllt. So wird die Zeit für
den Hauptstrom sehr attraktiv, für die vielen kleinen Nebenströme, die
jetzt fast komplett aus dem Raster fallen, immer noch akzeptabel, vor
allem zu verkehrsschwachen Zeiten.
Was nützt es mir, wenn mich die Bahn mit dem ICE in einer irrsinnigen
Zeit von Hamburg nach München karrt, ich aber gar nicht von Hamburg-Hbf
nach München-Hbf will, sondern von Tangstedt nach Nandlstadt und für die
beiden lächerlich kurzen Teilstrecken insgesamt noch einmal so lange
oder sogar länger brauche? Da kann ich mich besser ins Auto setzen und
bin in gut der halben Zeit da.
Eine frühere Freundin von mir hat ein Praktikum in
Neustadt/Rbge-Mecklenhorst gemacht. Die Fahrzeit von E-Hbf bis H-Hbf war
mit 2:30 völlig akzeptabel. Über die Fahrzeiten der kurzen Reststrecken
schweige ich lieber, sonst kommen mir wieder die Tränen.
Vor allem der Rückweg am Sonntag abend nach Essen war genial: Die Busse
fuhren im Stundentakt, und zwar exakt dann, wenn oben im Hbf zwei ICs
hielten. Weder konnte jemand mit dem ankommenden Bus einen der ICs
erreichen noch ein Fahrgast aus einem der ICs einen der Busse.
Vorprogrammierte Wartezeit: 1 Std. Zeit genug, um die schwere
Reisetasche in ein Schließfach zu packen, 5km nach Hause zu *laufen*,
mit dem PKW wieder zum Bahnhof zu fahren, die Reisetasche einzuladen und
trotzdem noch vor dem Bus wieder zu Hause zu sein.
Was willst du mir von kaputtboykottiert erzählen?
Mit dem PKW lag die Fahrzeit Haustür-Haustür übrigens bei sparsamen 100
bei 2:40. Warum zum Teufel soll ich mich dann über den idiotisch
organisierten OV ärgern? Wenn der ÖV es in 3:40 schafft, denke ich noch
mal ernsthaft darüber nach, vorher nicht. Alles darüber ist genau so
indiskutabel wie hier lokal eine Gesamtzeit von 1:50 für 11,5km
Haustür-Haustür, die ich mit dem Rad locker um über 1 Std. unterbiete,
ohne mich anzustrengen. Wenn ich mich anstrenge, komme ich trotz Ampeln
und aller nötigen Rücksicht mit 35min aus. Es kann doch nicht zuviel
erwartet sein, im großstädtischen Ballungsraum mit dem ÖPNV mindestens
genau so schnell voranzukommen wie mit einem gemütlich gefahrenen Rad,
oder?
Tschüß
Dietmar
--
Lesbar quoten kann so einfach sein:
http://www.learn.to/quote
http://www.volker-gringmuth.de/usenet/zitier.htm
.
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