Re: Busunfall mit Brand



X-No-Archive: Yes

begin quoting, Björn Schreiber schrieb:

Der Ingenieur vor diesem Rechner denkt sich folgendes:
Nothämmer existieren, bei mit Dichtungsgummis befestigten Fenstern
existieren Griffe zum herausreissen der Dichtung...
Nein, das denkt er nicht.
Entweder hast Du den Satz nicht erfasst, oder glaubst, meine Gedanken
besser zu kennen, als ich.

Oder die Aussage ist einfach falsch.

Wie oft denn noch? Es geht *nicht* um Fluchtwege.
Nagut, dann geht es um den Rauchabzug.

Rischtüsch...

Hier hätte ein Fahrer, der die
Rauchgefahr entsprechend erkannt hätte, auch durch Rufen die Fahrgäste
entsprechend auffordern, oder in kurzer Zeit von aussen selbst mittels
(not-)Hammer die Scheiben zerstören können. Das Zerbröseln des
Sicherheitsglases kann man an jeder Stelle auslösen. Auch am unteren Rand.
Da braucht es keine phantastischen Spreng-Mechanismen.

O je...

Das hier dargelegte (plausible) Szenario ist, daß es zu einem
Flash-Over gekommen ist: In einem relativ kleinen Volumen (Kofferraum,
Toilette...) hat sich eine dichte Konzentration hochbrennbarer
Schwelgase entwickelt - zunächst passiert nichts, weil es an einer
Zündquelle oder Sauerstoff mangelt. Sehr plötzlich wird aber ein wenig
dieses Gases durch irgendeine Zündquelle gezündet, dadurch entsteht
Wärme, und die Volumenausdehnung drückt einen Teil des Schwelgases in
den (sauerstoffhaltigen) Bus-Innenraum. Nun geschieht es in
Bruchteilen von Sekunden: Der Verbrennungsvorgang beschleunigt sich
extrem schnell, die Stichflamme schlägt nun in das hochbrennbare
Gas-Luft-Gemisch, es verbrennt ziemlich weitgehend und verbraucht
dabei den Sauerstoff im Inneren des Fahrzeugs ziemlich vollständig.
(Das abgebrannte Rauchgas dehnt sich natürlich thermisch stark aus und
verdrängt sehr viel Luft aus dem Fahrzeuginneren.)

Das Gasvolumen im Fahrzeuginneren ist nicht mehr atembar, es hat eine
Temperatur von mehreren hundert Grad, die Stichflamme hat an vielen
Stellen brennbares Material (z. B. Zeitungen) entzündet, das nun nach
erneuter Luftzufuhr aufflammt. Die Insassen im hinteren Bereich halten
wegen des heißen, beißenden Rauchs reflexartig die Luft an. Der Fahrer
fährt schnellstens an den Fahrbahnrand und hält an, er öffnet die
Türen (das dauert zusammen etwa eine Minute), den Fittesten und am
günstigsten Sitzenden gelingt es, das brennende Fahrzeug zu verlassen,
der Großteil der Fahrgäste sitzt aber immer noch in dichten
Rauchschwaden und kann die Luft nicht noch länger anhalten: Sie werden
nach einem reflexhaften Atemzug wegen des Sauerstoffmangels und der
eingeatmeten giftigen Gase fast sofort bewußtlos und verbrennen in
ihren Sitzen.

So (oder ähnlich) hat man sich das wohl vorzustellen. Und da soll der
Fahrer jetzt außen um den Bus herumlaufen und einzeln alle Fenster
einschlagen? Wie lange dauert das: Fünf Minuten? Oder zehn? Und wozu?
Damit die schwerverletzten, bewußtlosen Fahrgäste besser brennen?

Die einzige realistische Chance für die Insassen hätte darin
bestanden, daß ein Brandmeldesystem binnen Sekunden die Situation
korrekt detektiert und dann das Fahrzeug vollautomatisch komplett
entglast (bzw. dasselbe durch Knopfdruck des Busfahrers ausgelöst
wird). Dann hätte ein scharfer Wind (falls das Fahrzeug noch nicht
stand) durch den Innenraum gefegt und den Insassen die
lebensnotwendige Atemluft zur Verfügung gestellt (im Stand lüftet die
Thermik da ziemlich gut durch). Ja gut, hier und da hätte dies und das
gebrannt - na und?

Brandmelder in Busse einbauen, die "Tuuuut..." machen, wenn so etwas
passiert? Wozu, was nützt das denn? (Ja gut, ein Brandmelder, der den
initialen Schwelbrand früh, vor dem Flash-Over, detektiert und Alarm
gibt, wäre natürlich nützlich. Aber der hätte dann in den Kofferraum
usw. gehört, weniger in den Innenraum.)

Eine andere Frage ist dann, wie relativ unbrennbar das Material im Bus
sein sollte, damit die Insassen bei ausreichender Luftzufuhr auch noch
den Bus verlassen oder herausgeholt werden können und nicht trotzdem
in einem flammenden Inferno verglühen. Aber letzteres durch fehlende
Luftzufuhr verhindern zu wollen nützt rein gar nichts.


Gruß aus Bremen
Ralf
--
R60: Substantive werden groß geschrieben. Grammatische Schreibweisen:
adressiert Appell asynchron Atmosphäre Autor bißchen Ellipse Emission
gesamt hältst Immission interessiert korreliert korrigiert Laie
nämlich offiziell parallel reell Satellit Standard Stegreif voraus
.