Re: "Schmarotzer (II)"



Robert Bar <rundablage@xxxxxxxxxxx> wrote:

> Wäre da unter deinem '[1]' nicht die Verbindung von 'Volkssschädlingen'
> und 'Hartz IV' - ich könnte dir einfach so & still zustimmen.

Da könnte ich mich mißverständlich ausgedrückt haben. Jemand, der
Anspruch auf gemeinschaftliche Leistungen hat - sei es, daß er nicht in
der Lage ist, sein Auskommen anderweitig zu finanzieren, sei es, daß ihm
diese emeinschaft keine Möglichkeit dazu anbietet - der *hat* diesen
Anspruch eben. Der ist legitim und unverzichtbar für eine menschliche
Gesellschaftsordnung.

Ich bekomme zwar Bauchschmerzen bei Personen, die Sozialleistungen
beziehen, ihre freie Zeit aber damit nutzen, daß sie unter der Hand
arbeiten und damit (wegen brutto=netto) zusätzlich noch ein Einkommen
erzielen, das zusammen mit den Sozialleistungen *sehr* deutlich über dem
liegt, was sie mit einer gemeldeten Tätigkeit erzielen könnten. Damit
schädigen sie gleich in mehrfacher Hinsicht: Sie engen den finanziellen
Spielraum der Sozialsysteme (einschließlich Renten- und
Krankenversicherung) ein und versauen den Ruf der legitimen Empfänger.
Ehe jetzt Einwände kommen: Das ist gewiß nicht der Regelfall, ich weiß
aber sicher, daß es mindestens eine Person gibt, auf die diese
Beschreibung zutrifft, und ich glaube, daß ich nicht den einzigen Fall
dieser Art kenne.

Aber selbst das sind Peanuts im Vergleich zu Leuten, die mal eben so mit
einem Handstreich eine ganze Firma vor die Wand fahren respektive
gezielt demontieren. Dahinter hängen z. T. zigtausende von Existenzen,
mit denen sie spielen. Das ist einfach nur schäbig.

> Es wäre schön, wenn du mich nicht in 'diese' Kategorie einordnen
> *müßtest*:

Keineswegs, im Gegenteil. Wenn jemandem gar nicht erst die Möglichkeit
angeboten wird, einer "normalen" Erwerbstätigkeit nachzugehen, dann ist
es mehr als nur legitim, daß dessen Existenz anderweitig gesichert wird.

> Du weißt (vielleicht), daß ich unter den Bedingungen von 'Hartz IV' lebe
> - in dem Bewußt-Sein, daß mir die Gemeinschaft das Leben sichert.
> Ich schreibe das _so_, weil es (wirklich) mehr ist, als ein
> 'gerade-mal-am-Leben-gehalten-werden'. Für 'andere' mag das 'anders'
> aussehen (transitiv und intransitiv) - aber vielleicht habe ich mich
> nicht nur finanziell 'eingerichtet' ... [1].

Ich kann das in Grundzügen nachvollziehen, weil es auch Phasen in meinem
Leben gab, in denen ich nicht gerade üppig mit Kleingeld ausgestattet
war. Damals[tm] lief die Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht über
das Sozialamt, und ich mußte irgendwelche "geldwerten Sachleistungen" zu
mienem verfügbaren Einkommen dazulügen, damit sie mir den Wisch
unterschreiben, denn - so deren Logik - mit dem, was ich angegeben habe,
kann man unmöglich auskommen, also habe ich die Angaben nicht
wahrheitsgemäß gemacht, also habe ich (wegen erwiesener Falschangabe)
keinen Anspruch auf die Befreiung. Also mußte ich lügen, damit die mir
glauben, daß ich nicht lüge...

Damals war ich in meinen Möglichkeiten zwar stärker eingeschränkt als
heute, erstaunlicherweise habe ich aber nicht das Gefühl gehabt, daß mir
materiell irgendetwas Wichtiges wirklich fehlen würde. Sicher gab es
hier und da gewisse Wünsche, aber ich hatte auch keine Probleme damit,
auf ein Fahrrad drei Jahre lang zu sparen.

> Immerhin - und wenn der Versuch, wieder mehr onT zu werden, nur ein
> Vorwand ist, mich _öffentlich_ mit dir auseinanderzusetzen - lese und
> schreibe ich hier mithilfe eines Hardwareprodukts aus dem Hause
> Apple[TM]

Das ist schon mal eine gute Wahl ;-) Und genaugenommen muß sowas ja auch
kein Vermögen kosten. Ich denke mir jedenfalls, daß eine Maschine, mit
der noch vor wenigen Jahren Publikationen wie GEO layoutet wurden, heute
sicher nicht zu schwach auf der Brust ist, mit Mail, News, WWW und
gelegentlich mal einem Brief an eine Behörde umzugehen. Mein
"Hauptrechner" hat immerhin schon fünf Jahre auf dem Buckel (und schlägt
sich wirklich wacker), und der andere, der primär dazu dient, einige
Dinge auszuprobieren, ist AFAIK neuneinhalb Jahre alt. Selbst der ist
für das, was ich mache, gut ausreichend.

> & einer - seit Jahren bezahlten - Shareware: es war beileibe
> nicht das einzige Mal, daß ich Kagi & Co. bemüht habe.

<g> Das war die erste Shareware, die ich mir für meinen ersten Mac
gekauft habe. Ich meine aber mich erinnern zu können, daß ich damals
direkt an Stefan bezahlt hatte.

> Manchmal erst nach einiger Warte-/Probezeit, manchmal spontan, manchmal -
> ich geb's zwar nicht 'gerne', aber: zu - manchmal nicht;

Warum auch nicht? Bei mir lungert etliches an Shareware auf der Platte
herum, meistenteils aus Zeiten des klassischen MacOS, die ich mir damals
insbesondere von den MacMagazin-CDs geholt hatte. "Man könnte ein
solches Programm ja mal brauchen..." Ich sollte beizeiten mal ausmisten,
denn was ich in zehn Jahren nicht gebraucht habe, werde ich auch in
Zukunft nicht mehr benötigen :-} Und Shareware, die lediglich Platz auf
der Platte belegt, aber nicht zum Einsatz kommt, braucht auch im Sinne
der Spielregeln nicht bezahlt zu werden.

> außerdem spare ich mir (ua. & zB.) aufwendige Video-/LP-Digitalisierungen
> mittels p2p, ...

Dazu habe ich auch keine Lust.

> Ein *Sinn* (= einer unter anderen) des Menschen ist IMO 'Arbeit',
> 'Ausbeutung' (weder aktiv noch passiv) ist damit nicht gemeint; aber
> _das_ steht ja alles schon in den 'blauen Bänden' ...!

Wenn Du mir kurz auf die Sprünge hilfst, was mit den "blauen
Bänden"gemeint ist, dann werde ich das vielleicht sogar unterschreiben
können ;-)

> Mir ist es schlicht egal, ob ich für meinen Job einen Euro pro Stunde
> bekomme oder nicht [2], wichtig ist mir, ob ich eine Tätigkeit als
> 'nützlich' ansehen kann,

Auf jeden Fall! Damit eng verknüpft ist in meinen Augen das Drumherum
der Arbeit. Ich habe da auch schon einiges erlebt. Es ist auf Dauer
nicht gut, wenn man sich mit Bauchschmerzen in die Firma schleppt in dem
Bewußtsein, dort wieder (fast) nur Mist zu erleben. Und dieses Gefühl
liegt nicht unbedingt an der Tätigkeit an sich, denn je nach dem
konkreten Umfeld kann der Job Spaß machen oder zur Qual werden.

> und schön wird's, wenn sie (mensch-lich) ein
> positives Echo hervorbringt - sei es von Seiten der Kollegen oder von
> Kunden-/'Klienten'/Nachbarn/Freunde-Seite.
> Ich bin jetzt Hilfs-Hausmeister in einem 'Senioren-Kurheim' und es macht
> mir Spaß. Punkt.

Und das finde ich enorm wichtig!

> (... auch wenn ich morgen Früh um sechs meine 12 km durch den - dann
> Neu~ - Schnee radeln muß.)

Damit hätte ich ernste Probleme - ich bin nun mal eine Nachteule :-}
Andere wiederum verstehen nicht, wie ich nach 20 Uhr überhaupt noch
etwas schaffen kann, dabei hat der Tag dann doch gerade erst
angefangen...

> [1] nach ein paar Jahren 'weg-vom-Fenster' als Zerspanungstechniker und
> mit meinen jetzt bald 60 Jahren hätte ich einen gewaltigen Fehler
> begangen, wenn ich mich _nicht_ eingerichtet hätte ...

Das wäre einfach nur realitätsfremd. Ich denke, daß auch ich mich - mit
einer gewissen Umstellungszeit, in der etliches zu regeln wäre -
entsprechend umstellen könnte.

> [2] ich krieg ja diesen '1' EUR (der in Wirklichkeit 1,50 ist)
> _zusätzlich_ = Aufwandsentschädigung.

Richtig. Wobei ich erst letztens einen Plausch mit einem "Hartzer"
hatte, der den (in meinen Augen durchaus ehrenwerten) Job als
Straßenreinigungskraft hat. Das einzige, worüber er sich beklagte, war
seine Arbeitszeit. Er dürfe nur sechs Stunden am Tag arbeiten, würde
aber gerne acht Stunden schaffen. Er hat auch keineswegs den Eindruck
gemacht, daß es ihm (emotional) schlecht gehen würde. Im Gegenteil ist
er weitaus ausgeglichener als mancher meiner Kollegen.

> Im Übrigen wünsche ich dir, daß dich dein Lebensweg nie vor die
> Alternative stellt, eventuell auf 'Hartz IV' (aka Leistungen der
> Solidargemeinschaft) angewiesen (!) zu sein: ein 'Zuckerschlecken' ist
> das beileibe nicht - auch wenn es eine(n) nicht zwingt, zum Schmarotzer
> zu werden (_das_ ist die 'freie' Entscheidung einer/s jeden Einzelnen).

Ich habe im Moment tatsächlich das Glück, einen spannenden,
interessanten und abwechlsungsreichen, zudem auch noch gut bezahlten Job
zu haben. Aufgrund der aktuellen Arbeitsmarktlage dürfte sich das auch
in den nächsten Jahren nicht ändern. In der Branche herrscht ein akuter
Mangel an erfahrenen Fachkräften, und in dem Job ist Erfahrung (fast)
alles. Als wir letztens eine Stelle ausgeschrieben haben, war darin
explizit angegeben, daß wir einen Mitarbeiter *jenseits* der vierzig
suchen! Letztlich wurde das alles ganz anders gelöst: Ich wurde auf
diese Stelle gesetzt (es gab auf dem Markt sonsrt einfach niemanden, der
die Anforderungen erfüllt hätte), dafür haben wir einen anderen
Mitarbeiter eingestellt, der auch schon in der zweiten Hälfte der
Vierziger ist. Und dieser Mann ist ein großer Gewinn sowohl für die
Arbeitsgruppe (in jeder Hinsicht) und damit auch für das Unternehmen.

> Für mich lag der Einstieg in diese Karriere in _meiner_ Antwort auf die
> Frage, ob _ich_ für meine Kinder (damals 5 bzw. 2) sorgen möchte oder ob
> ich sie im - engen - Umfeld eines (stadtbekannten) Drogendealers lassen
> soll, der ihre Mutter (nicht nur!) wieder (!) an (harte) Drogen
> herangeführt hatte. Diese Antwort war gleichbedeutend mit dem Ausstieg
> aus meiner (damaligen) 'Karriere' (ich war 'unkündbar' ...!).

Uiuiui, das ist eine heftige Sache! Ich finde es gut, daß Du Dich so
entschieden hast, wie Du es getan hast.

> Der Prozeß der Entscheidungsfindung dauerte gerade mal eine halbe
> Stunde.

Das ist dann wohl einer der Fälle, in der die Auswahlmöglichkeiten eher
theoretischer Natur sind :-/

> 'Bezahlt' habe ich dafür mit einem sehr 'durchlöcherten'
> Versicherungsverlauf, und meine Kinder mit in jeder Hinsicht beengten
> Verhältnissen.
> Darauf, daß aus meinen beiden Söhnen (trotzdem -?) 'etwas geworden' ist,
> bin ich stolz; dafür, daß sie (mir gegenüber) nicht 'nachtragend' sind,
> liebe ich sie: mittlerweile heiß und innig ...

Das ist eine Bestätigung dafür, daß Du das Richtige getan hast!

> Noch was:
>
> > > Moral wirkt nur dort, wo sie allgemeinverbindlich wirken kann. Das ist
> > > in einer auseinanderfallenden, erfolgsgeilen Gesellschaft, in der
> > > Ausbeutung und Über-den-Tisch-ziehen als cleveres, nachahmenswertes
> > > Verhalten gilt, nicht mehr gegeben.
> >
> > Und genau da gilt es, gegenzusteuern. Es darf sich eben nicht mehr
> > lohnen, radikal auszubeuten - ...
>
> von mir aus darfst du 'radikal' streichen ...

Nun ja, ich hatte es deshalb so geschrieben, weil ich damit zum Ausdruck
bringen wollte, daß ich es nicht grundsätzlich für verwerflich halte,
seine (auch finanziellen) Interessen im Auge zu behalten. Das darf aber
nur ein Aspekt unter vielen sein.

Mathias
--
inzwischen auch ohne signature
.



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