Test OpenSuSE 10.0 Finale Version (Betrieb)



OpenSuSE im Betrieb

Im ersten Teil meines Test beschrieb ich die Installation von OpenSuSE 10.0 Final. Nachdem ich eine Komplettinstallation durchgeführt habe und ein Online-Update durchlief, liegen 7GB an Daten auf der Festplatte. Als Standarddesktop wurde von mir KDE (Version: 3.4.2 Level „b“) gewählt.

Konfiguration des Systems

Das zentrale Tool für alle möglichen Einstellungen ist Yast. Egal ob es um die die Installation von Software geht, die Einrichtung von Hardware oder die Benutzerverwaltung, an Yast führt kein Weg vorbei. Man sollte aber genau überlegen, was man tut. Der Nachteil bei Yast ist, dass es keinen Einblick gibt, welche Konfigurationsdateien geändert werden.

Der KDE-Desktop

Begrüsst wird man durch viel grüne Farbe durch ein Chamäleon als Hintergrundbild. Auf dem Desktop befinden sich Symbole für Arbeitsplatz, Netzwerkbrowser, Papierkorb, Drucker sowie für Firefox und OpenOffice.
In der Taskleiste sind neben dem grünen Startknopf einige nützliche Symbole für untergebracht, u.a. für den Home-Ordner und den Konqueror. Außerdem der KDE-Arbeitsflächenumschalter sowie natürlich die Fensterleiste. Die komplette Taskleiste lässt sich individuell konfigurieren.
Das Startmenü ist, wie bei SuSE gewöhnt, sehr aufgeräumt. Obwohl es unzählige Einträge hat, sind diese in Untermenüs ordentlich gruppiert, so das man sehr schnell das benötigte Programm finden.
Als Desktopthema wurde der Plastik-Stil gewählt, gepaart mit der Fensterleiste von SuSE in angenehmen Farben. Über das Kontrollzentrum kann man verschiedene Designs wählen aber auch bei Bedarf Thema, Fensterleiste, Farben, etc. einzeln konfigurieren.


Hardware

Nach dem Start sollte gleich noch einige Hardware installiert werden.
Als erstes der Drucker. Ich habe einen EpsonStylus PHOTO R200. Als ich das USB-Kabel einsteckte ging sofort ein Fenster auf, das diese Drucker erkannt wurde und ob ich ihn installieren will. Na aber sicher doch! Nach der der Eingabe des root-Passwortes wurde das entsprechende Yast-Modul gestartet. Dort konnte ich den Drucker direkt konfigurieren, wobei die Einstellungen selbsterklärend waren. Das Gerät funktionierte danach auch wie gewünscht. Das Druckericon auf dem Desktop öffnet übrigens den KjobViewer, welcher die Druckaufträge anzeigt.
Nun sollte der Scanner ran. Leider werden nicht alle Scanner von Linux unterstützt, eine Liste gibt es unter http://www.sane-project.org/. Ich habe mir für Linux einen Canon „CanoScan LIDE 20“ zugelegt. Hier passierte nach dem Anstecken des USB-Kabel erstmal nichts. Also Yast manuell gestartet und das Modul „Scanner“ unter „Hardware“ ausgewählt. Den entsprechenden Scanner musste ich zwar aus einer sehr umfangreichen Liste selber auswählen, die restliche Installation lief aber automatisch durch. Ein erster kurzer Test mit Kooka bzw. xsane verlief zu meiner vollen Zufriedenheit.
Fehlte nur noch die Digitalkamera. Über USB angeschlossen kam die Frage, ob die USB-Disk geöffnet werden sollte. Der Lese- und Schreibzugriff funktionierte sofort mit voller USB-2-Geschwindigkeit.


Ab ins Internet

Für das Surfen im Web stehen verschiedene Browser zur Verfügung. Der Firefox in der aktuellen Version 1.0.7, Konqueror, Mozilla SeaMonkey (1.7.12) sowie Epiphany für Gnome (1.8.0). Alle funktionieren natürlich.
Für E-Mails gibt es ebenfalls mehrere Programme, vermisst habe ich leider Thunderbird.
Das Startmenü stellt eine große Auswahl an Programmen auch für andere Internetanwendungen zur Verfügung, wie z.B. Chatten, News und RSS.
Als grafischen FTP-Client liefert SuSE leider nur KBear mit, der fällt vor allem durch seine Instabilität auf. Da führt kein Weg dran vorbei, sich nachträglich ein anderes Tool zu besorgen, gftp ist dabei eine gute Alternative.


Officeanwendungen

OpenOffice.org als Novell-Edition in der Version 1.9.125.1.2 erwähnte ich ja bereits. Das ist nicht ganz die aktuellste Version, zum Erscheinungstermin von OpenSuSE gab es bereits den ReleaseCandidate 1, da muss man aber den Entwicklern einen gewissen Zeitraum bis zur Integration zugestehen.
Die Version 1 von Openoffice.org ist nicht mehr vorhanden.
Außerdem sind noch KOffice (1.4.1), einige Programme von SoftMaker und diverse weitere Officeprogramme vorhanden. Abiword (2.2.9) musste ich allerdings über Yast nachinstallieren.


Multimedia

Bem Einlegen einer Film-DVD startete zwar Kaffeine, es zeigte aber auch sogleich an, welche Codecs alles fehlten. Das diese nicht vorhanden sind, liegt hier aber nicht an SuSE sondern an lizenzrechtlichen Gründen. Wer allerdings ein wenig sucht, kann die benötigten Pakete schnell im Internet finden. Das Selbe gilt leider auch für andere Videoformate wie wmv und mpg. Besonders bei mpg wunderte mich das aber. Auch die Installation des Paketes libmpeg2 half da nicht weiter.
mp3 dagegen funktionierte von Anfang an, obwohl die Unterstützung in früheren Betaversionen und in SuSE 9.3 erst per Online-Update nachgeladen werden musste.
Ebenfalls unter Multimedia findet man im Startmenü die Programme zum Brennen von CDs und DVDs. K3b ist hierbei meiner Meinung nach die beste Lösung. Das Löschen und Beschreiben einer CD-RW klappte problemlos.


Spiele

Von Haus aus bringt SuSE schon eine Menge Spiele mit, allerdings handelt es sich dabei nur um einfache Spielchen für mal eben zwischendurch. Zwar laufen einige 3D-Kracher, wie z.B. Unreal Tournament, auch unter Linux, dafür wird aber logischerweise die eigene CD benötigt und den entsprechenden Installer muss man sich im suchen. (Stichwort: Loki) Die fehlende Linuxunterstützung ist aber in erster Linie ein durch die Hersteller verursachtes Problem.

Es muss nicht immer KDE sein

Für manchen gilt KDE als zu bunt und überladen. Aber OpenSuSE wäre keine gute Linuxdistribution, wenn nicht auch andere Windowsmanager mitgeliefert würden. Gnome, Blackbox, fvwm, IceWM, mwm, Openbox, Windowmaker... Die Auswahl ist groß. Genauso wie KDE präsentieren sie sich aufgeräumt und gut vorkonfiguriert mit vollen, aber übersichtlichen Menüs.

Fazit

Die Weiterentwicklung von SuSE 9.3 zu OpenSuSE 10.0 ist nicht überragend. Hauptsächlich besteht sie aus in Details aktualisierten Programmen und Bibliotheken. Der Kernel ist übrigens Version 2.6.13. Wie schon lange bei SuSE gewöhnt, ist die Konfiguration sehr einfach. Selbst als Anfänger sollte es kein Problem sein, sich schnell zurechtzufinden, ein wenig Lernwille vorrausgesetzt. Die Linux-Community im Internet ist auch immer hilfsbereit, wenn man ein wenig Mitarbeit zeigt. Es gibt eine Menge zu entdecken, wenn auch so manches Programm wahrscheinlich nachinstalliert werden muß. Eine gute Quelle ist da http://www.rpmseek.com/
Für Profis sind die Kritikpunkte an SuSE vor allem die eigenwilligen Konfigurationen, wer sich schonmal mittels Yast eine sauber gepflegte Konfigurationsdatei zerschossen hat, kann davon ein Lied singen. Ich selber habe nicht geprüft, ob es dahingehend Verbesserungen gab, ich finde die Konfiguration per Mausklicks unter SuSE sehr zufriedenstellend.
Nicht getestet habe ich am Laptop WLAN und die Funktionsweise des (erkannten) Modems, da mir dazu die nötigen Voraussetzungen fehlen.
Ganz ohne Bugs läuft es aber auch in der neusten SuSE-Version nicht. Unter https://bugzilla.novell.com/ kann man sich bereits gemeldete Fehler anschauen bzw. neu gefundene melden.
Auf jeden Fall ist OpenSuSE 10.0 eine gute Einsteigerlösung. Ob man später dabei bleibt oder auf einer „schwierigere“ Distribution umsteigt, welche dann mehr Einflußname fordert und ermöglicht, liegt im Ermessen des Users.


Dieser Text wurde mit OpenOffice 2.0 unter Linux verfasst und kann ohne weitere Rückfragen beim Autor für weitere Publikationen, auch gewerbliche, verwendet werden.
Eine Nennung des Autor ist erwünscht, eine Erweiterung des Textes wird unter entsprechender Kennzeichnung, ebenfalls ohne nötige Rückfrage, gestattet.


mfG

Daniel Weigelt

--
http://www.idiosynkrasie.de/
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