<2003-05-30> Informationen fuer Debian-Interessierte



[ Dieses Posting erscheint wöchentlich. ]

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Was ist Debian?
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Bei Debian handelt es sich um ein Projekt von Freiwilligen, hinter dem
keinerlei kommerzielle Interessen stehen. Rund 1000 Entwickler arbeiten
in ihrer Freizeit und unbezahlt an diesem Projekt.

Die Debian-Distribution basiert auf dem Open Source Prinzip[1], und
die Anforderungen an die Software sind in den "Debian Free Software
Guidelines" (DFSG)[2] festgelegt. Ziel ist es, den Nutzern ein
ausgereiftes und qualitativ hochwertiges System bestehend aus freier
Software zur Verfügung zu stellen.

Um die Konsistenz der Distribution zu gewährleisten, verhält sich jedes
Paket konform zu den Regeln der Debian-Policy[3]. Außerdem werden
bestehende Standards, wie beispielsweise der "Filesystem Hierarchy
Standard"[4], eingehalten.

Debian GNU/Linux ist neben der weit verbreiteten x86- auch für
zahlreiche anderen Architekturen verfügbar, darunter ARM, PowerPC,
SPARC, Alpha, Motorola 680x0, IA-64, HP PA-RISC, MIPS, und S/390.

Die Distribution kann von vielen FTP-Servern kostenlos heruntergeladen
werden. Da es sich jedoch um große Datenmengen handelt (knapp 9000
Pakete), ist ein Download nicht zu empfehlen. Stattdessen empfiehlt
sich der Kauf einer Debian GNU/Linux CD-ROM, wie sie von verschiedenen
CD-Anbietern[5] angeboten wird.


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Installation
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Die Installation der Debian-Distribution ist mit etwas Sorgfalt
und Aufmerksamkeit auch von einem Anfänger durchführbar. Mit der
deutschsprachigen Installationsanleitung[6] kann man sich zuvor
informieren, oder aber eventuell auftretende Probleme lösen.

Außerdem gibt es inzwischen eine Reihe Debian-spezifischer Bücher[7],
die unter anderem auf die Installation und Einrichtung des Systems
eingehen.


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Aufbau der Distribution
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Die Debian-Distribution gibt es in drei Ausführungen: "stable",
"testing" und "unstable". Die stable-Distribution ist die letzgültige
freigegebene Version, die für den Produktionseinsatz gedacht ist. An ihr
werden nur Sicherheitsaktualisierungen durchgeführt. Die Entwicklung
hingegen findet in unstable statt, und in testing wird das nächste
Release vorbereitet.

Jedes Release besitzt einen Code-Namen, und jedes stable-Release
zusätzlich eine Versionsnummer. Zur Zeit ist "woody" (3.0) die "stable"-
und "sarge" die "testing"-Distribution. Die "unstable"-Distribution
heißt "sid" und wird diesen Namen nie ändern.

Der Aufbau der Distribution findet sich teilweise in der
Verzeichnisstruktur der Installationsmedien und FTP-Server wieder.
Die Einhaltung der korrekten Pfade ist die Grundlage von Debians
Paketverwaltung. Deshalb sind beispielsweise die Paket-Dateien der
"stable"-Distribution immer unterhalb von folgendem Verzeichnis
anzutreffen:

.../debian/dists/stable/


Debian teilt die verfügbaren Pakete in drei Sektionen auf:

main: Die eigentliche Debian GNU/Linux Distribution, die
ausschließlich freie Software enthält.

contrib: Die contrib-Sektion enthält freie Software, die ohne
Programme oder Bibliotheken, die unter einer nicht-freien
Lizenz stehen, nicht ausgeführt oder kompiliert werden
kann.

non-free: Software, die unter einer nicht-freien Lizenz im Sinne der
Debian Free Software Guidelines[2] steht.

Beispiel: .../debian/dists/stable/main/


Die Debian-Distribution ist inzwischen für viele verschiedene
Architekturen verfügbar (ix86, mk68, etc.). Die Paket-Dateien sind
deshalb in Verzeichnissen wie "binary-i386" oder "binary-m68k"
einsortiert. Die Paket-Dateien für Architekturunabhängige Pakete sind
in "binary-all" zu finden, die Paket-Dateien für den Quellcode der
einzelnen Pakete in "source".

Beispiel: .../debian/dists/stable/main/binary-i386/


Zur leichteren Orientierung werden Pakete schließlich nach
Verwendungszweck aufgeteilt: "admin", "base", "devel", "net", "news",
"mail" etc.

Beispiel: debian/dists/stable/main/binary-i386/net/


Die Pakete selbst liegen jedoch in einem Paket-Pool. Hier gibt es für
jedes Paket ein eigenes Verzeichnis benannt nach dem Quellcode-Paket, in
dem alle seine zur Zeit verfügbaren Versionen gespeichert werden,
inklusive dem Quellcode. Auch hier gibt es die Unterteilung nach den
Sektionen main, contrib un non-free. Zusätzlich werden Pakete mit dem
gleichen Anfangsbuchstaben in einem gemeinsamen Verzeichnis gespeichert.
Die Dateien zum Paket "ftp", dessen Quellcode-Paket "netkit-ftp" heisst,
sind also an folgendem Platz zu finden:

.../debian/pool/main/n/netkit-ftp/


Die CD-ROMs der verschiedenen Händler halten sich allerdings nicht
immer an dieses Schema; Im Normalfall ist die Verzeichnisstruktur aber
analog zu den FTP-Servern aufgebaut.


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Paketverwaltung
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dpkg
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dpkg ist das grundlegende Tool zur Paketverwaltung auf Debian-Systemen
und wird vollständig über die Kommandozeile gesteuert. Im Gegensatz zu
dselect und APT kann es Abhängigkeiten nicht selbständig auflösen.
Hier sind die wichtigsten Befehle:

Paket "hello" installieren .................. : dpkg -i hello-1.3-16.deb
Paket "hello" deinstallieren ................ : dpkg -r hello
inkl. Konfigurationsdateien deinstallieren .. : dpkg --purge hello
Paket zu einer vorhandenen Datei suchen ..... : dpkg -S dateiname
Dateien von "hello" auflisten ............... : dpkg -L hello
Informationen über "hello" anzeigen ......... : dpkg -s hello


dselect
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Ein betagtes, aber mächtiges Werkzeug für die Paketverwaltung ist
dselect. Es kann Abhängigkeiten auflösen und Pakete unter anderem via
FTP oder NFS, per Diskette und natürlich auch von CD-ROM installieren.

Die Bedienung und Benutzerfreundlichkeit von dselect ist zwar nicht
unumstritten, aber wer die Bildschirm-Ausgaben und die Online-Hilfe
liest, bekommt mit dselect ein mächtiges Tool zur Paketverwaltung.


APT
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Das Installations- und Konfigurationsprogramm APT (Advanced Package
Tool) verspricht höheren Komfort und mehr Übersicht als dselect:

Frei wählbare Quellen für die Installation mit APT werden unter
"/etc/apt/sources.list"[8] gespeichert. Sowohl eigene Laufwerke als
auch FTP- oder HTTP-Server sind als Quellangaben möglich. Durch das
Kommando "apt-cdrom add" werden automatisch Einträge für die
Installation von CD-ROM erzeugt. Weitere Informationen zu der Datei
/etc/apt/source.list entnehmen Sie bitte der Manpage sources.list(5)

Hier sind ein paar Beispiele für die Verwendung von apt-get:

Paket "hello" installieren .......... : apt-get install hello
Paket "hello" nur herunterladen ..... : apt-get -d install hello
Source des Paketes "hello" holen .... : apt-get source hello
Paket "hello" deinstallieren ........ : apt-get remove hello
Liste verfügbarer Updates holen ..... : apt-get update
Paket "hello" aktualisieren ......... : apt-get upgrade hello
Upgrade der dselect-Paketliste ...... : apt-get dselect-upgrade
Gesamte Distribution aktualisieren .. : apt-get dist-upgrade
Befehl "dist-upgrade" simulieren .... : apt-get -s dist-upgrade
Installation überprüfen ............. : apt-get check

Auch existieren mit aptitude, synaptic und gnome-apt Frontends zur
Bedienung von APT. dselect selbst wird heutzutage in der Regel nur
noch mit APT als Backend verwendet.


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Konfiguration des Systems
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Alle systemweiten Konfigurationsdateien finden sich unter /etc. Für
einige gibt es praktische Konfigurationsskripte, die den Einstieg sehr
vereinfachen. Hier eine Auswahl der vorhandenen Skripte:

apacheconfig - Webserver Apache
eximconfig - Mailserver exim
gpmconfig - Maus-Einstellungen für die Konsole
kbdconfig - Tastatur einrichten
liloconfig - Bootmanager LILO konfigurieren
magicfilterconfig - Drucker
pppconfig - Verbindung zum ISP anlegen
tzconfig - Zeitzone

Welche (weiteren) im Einzelnen zur Verfügung stehen, ist abhängig von
den installierten Paketen. Prinzipiell sind sie über den Befehl "ls
/usr/sbin/*config" zu finden.


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Weitere Hilfen zu Debian
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Neben der üblichen Dokumentation unter /usr/share/doc/ gibt es weitere
Debian-spezifische Hilfen:

Antworten zu häufig gestellten Fragen bietet die Debian-FAQ[9]. Wer
das Paket doc-debian installiert, findet diese FAQ auch unter
/usr/share/doc/debian/FAQ/index.html[10] auf der eigenen Festplatte.
Zu Linux gibt es weitere Dokumentation in den Paketen doc-linux-text
(englische Textdateien) bzw. doc-linux-html[11], sowie
auf deutsch im Paket doc-linux-de[12].

Auf die lokal verfügbaren Hilfen ist auch ein Zugriff über einen
installierten Webbrowser möglich. So bietet das Paket "dwww" eine
HTML-basierte Suchmaschine[13], die verschiedene Informationsquellen
berücksichtigt. Über eine ähnliche Funktionalität verfügt das
Programmpaket dhelp.

Umfangreiches Informationsmaterial bietet ebenso das "Debian
Documentation Project"[14]. Davon ist für Einsteiger besonders das Buch
"Debian GNU/Linux: Guide to Installaton and Usage" interessant, das
auch komplett online gelesen werden kann[15]. Eine Bücherliste mit
Debian-spezifischer Literatur gibt es unter [7].

Es existieren zu Debian eigene Mailinglisten[16]. Diese werden
archiviert[17] und können somit auch später noch nachgelesen und durchsucht
werden. Deutschsprachigen Anwendern steht eine spezielle Mailingliste[18]
zur Verfügung, die ebenfalls eine Recherchemöglichkeit[19] bietet. Zudem
ist die FAQ dieser Mailingliste im WWW abrufbar[20], und beantwortet so
die ein oder andere Frage auch ohne Listenabonnement.

Hilfreich kann auch die Paketsuchmaschine[21] sein. Mittels dieser können
Informationen über ein Paket, den aktuellen Stand seiner Entwicklung
sowie die Quellen zum Herunterladen in Erfahrung gebracht werden.

Und wer einfach nur informiert bleiben möchte, wirft hin und wieder
einen Blick hinüber zum DebianPlanet[22].


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Vermischtes
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Dank
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Seit Version 1.1 wird dieser Text von Gerfried Fuchs[23] betreut. Er dankt
ganz herzlich den vorherigen Autoren Christian Kurz, Jo Moskalewski und
Matthias Friedrich für ihren Einsatz.

Unser Dank gilt allen, die uns durch Kritik, Korrekturen und
Kommentare unterstützt haben - im Besonderen:

Andreas Jellinghaus
Holger Schauer
Heiko Schlenker
Karl-Heinz Zimmer



[ 1] http://www.de.debian.org/intro/free.html
[ 2] http://www.de.debian.org/social_contract.html#guidelines
[ 3] http://www.de.debian.org/doc/debian-policy/index.html
[ 4] http://www.pathname.com/fhs/
[ 5] http://www.debian.org/CD/vendors/#de
[ 6] http://www.de.debian.org/releases/stable/i386/install.de.html
Zur Zeit wird noch an der deutschen Übersetzung gearbeitet.
Ich hoffe, dass sie bald beendet ist -- für die Zwischenzeit
hier auch der Link zur englischen Installationsanleitung:
http://www.de.debian.org/releases/stable/i386/install.en.html
[ 7] http://www.debian.org/doc/books
[ 8] man 5 sources.list
[ 9] http://www.de.debian.org/doc/FAQ/
[10] /usr/share/doc/debian/FAQ/index.html
[11] /usr/share/doc/FAQ/Linux-FAQ.html
/usr/share/doc/HOWTO/index.html
[12] /usr/share/doc/LANG/de/
[13] http://localhost/dwww/
[14] http://www.de.debian.org/doc/ddp
[15] http://www.newriders.com/debian/html/noframes/
[16] http://www.de.debian.org/MailingLists/subscribe
[17] http://lists.debian.org/
[18] mail -s "subscribe" \
debian-user-german-request@xxxxxxxxxxxxxxxx < /dev/null
[19] http://lists.debian.org/users.html
[20] http://www.sylence.de/dudfaq/
[21] http://www.de.debian.org/distrib/packages
[22] http://www.debianplanet.org/
[23] Gerfried Fuchs <dcouli@xxxxxxxxxxxxx>
.