Re: Wozu noch DOS?



Stefan Reuther schrieb:

Und das geht auch noch, wenn der Task den Tastaturinterrupt übernommen
hat und wild im Speicher rumschreibt?

Und wie soll ein Task das machen, wenn er nur auf seinen eigenen
Adreßraum Zugriff hat und die Interrupts von der globalen Interrupt
Descriptor Table gesteuert werden, die nur vom Betriebssystem
kontrolliert wird? Ein Anwendungsprogramm läuft im PM nun mal in Ring
3 und hat damit keinerlei Möglichkeit, auf diese Systemdatenstrukturen
zuzugreifen.

Ich kann die Grenze nicht genau definieren, aber sowas ist für mich
irgendwann kein DOS mehr.

Ansichtssache - da könnte man ja auch sagen, es sei seit der
Einführung des hierarchischen Dateisystems kein DOS mehr, weil MS-DOS
1.0 das damals noch nicht unterstützt hat. ;-)

Ich kann mich auch nicht daran erinnern, daß jemand behauptet hätte,
Windows95 sei kein echtes Windows mehr. :-)

DOS entwickelt sich eben weiter, so wie andere Betriebssysteme auch.
DR-DOS besitzt diese Fähigkeiten schon seit mindestens zwölf Jahren.

Der Vorteil von DOS ist doch, daß alle Hardware-Sauereien möglich sind.

Ach, gerade hast Du das noch als Nachteil bezeichnet. ;-)

Außerdem braucht man ja das Multitasking nicht zu aktivieren, wenn man
vorhat, solche Programme zu starten.

Ein DOS-Multitasker muß nun entweder
- alle Hardware virtualisieren. Damit ist kein Zugriff mehr auf Hardware
möglich, die der Multitasker nicht kennt. Dafür ist es stabil.
- nur wohlbekannte Hardware (Timer, Tastatur, Bildschirm, Platte)
virtualisieren und den Rest durchgehen lassen. Damit läßt sich das
System einfach abschießen, indem man eine dem Multitasker unbekannte
Komponente (unbeabsichtigt) amok laufen läßt. Und sei es sowas
simples wie ein DMA beim Aufnehmen von der Soundkarte, der Speicher
überschreibt.

Stimmt zwar, ist aber für die Frage nach der grundlegenden Stabilität
nicht relevant. Immerhin kann der Benutzer ja selbst entscheiden, ob er
den Zugriff zuläßt, indem er einen passenden Treiber installiert oder
nicht.

Ansonsten kriegen selbst "echte 32-bit-Systeme" die Hardwarevirtualisie-
rung für *Standardhardware* nicht immer in den Griff. Weil ich Modi
nutze, die sonst keiner nutzt: Splitscreen über CRTC-Register, besondere
Blit-Operationen über Color-Compare- und GDC-ALU-Register usw.

Das kann Dir auch mit echter Hardware passieren.

Wenn DR-DOS das alles schafft, Respekt. Aber dann ist es irgendwie näher
an Windows als an DOS dran.

Habe ich nie behauptet. Aber für solche Fälle gibt es ja noch DOSBox.

Wenn die Hardware virtualisiert war, sollte nach dem Beenden des Tasks
nichts davon zurückbleiben. Mal abgesehen davon, daß Linux es auch
nicht schafft, nach einem Absturz von X-Windows den Textbildschirm
wiederherzustellen; da helfen nur Tools, die die Hardware wieder
richtig hinprogrammieren.

Da es sich beim X-Server um den in einen User-Task ausgelagerten
Grafiktreiber handelt. Wenn dir in einem anderen System der
Grafiktreiber wegsemmelt, siehst du genauso alt aus.

Ich würde es eher als Anwendungsprogramm mit integriertem Treiber
bezeichnen. Der Unterschied ist der, daß Du zwar X-Windows neu laden
kannst, aber Dein Textmodus danach noch immer nicht wieder
funktioniert.

Unter DOS hilft dagegen meistens ein Wechsel des Graphikmodus; oftmals
reicht auch schon ein simples CLS.

Das ist unter Linux nicht anders. Nur kommst du eben normalerweise an
INT 10/AH=00 nicht ran.

Eben - und einen eigenen Zugang dazu besitzt Linux nicht. Soweit ich
weiß, stellt der Loader den Modus einmal ein und hofft, daß danach
keiner mehr daran herumpfuscht.

Udo

-- The DR-DOS/OpenDOS Enhancement Project - http://www.drdosprojects.de

-- This mail was written by a user of The Arachne Browser -
http://arachne.cz/

.



Relevant Pages

  • Re: Wozu noch DOS?
    ... Einführung des hierarchischen Dateisystems kein DOS mehr, ... Damit ist kein Zugriff mehr auf Hardware ... Ich würde es eher als Anwendungsprogramm mit integriertem Treiber ...
    (de.comp.os.msdos)
  • Re: Wozu noch DOS?
    ... wenn der Task den Tastaturinterrupt übernommen ... Ein Anwendungsprogramm läuft im PM nun mal in Ring ... Zwischen Messy DOS 4 und DR-DOS 7.0x liegen Welten. ... Wenn die Hardware virtualisiert war, sollte nach dem Beenden des Tasks ...
    (de.comp.os.msdos)
  • Re: Diagnose-Tool
    ... Jegliche Hardware kann man auch unter DOS sichtbar machen ... wie man sie ansprechen kann. ... DOS hat hier keine generelle hardwareseitige Einschränkung ... beim Zugriff auf irgendeine Hardware. ...
    (de.comp.os.msdos)
  • Re: Wozu noch DOS?
    ... Hardware, von denen einer unter DOS und der andere unter Linux läuft. ... Betriebssystem dazugehören? ... oder dessen Bios in kontackt treten. ... DOS, OS2, Linux oder Windows ...
    (de.comp.os.msdos)
  • Re: Hardware ansprechen
    ... Bei den ersten Rechnern war das Betriebssystem verdratet in der Hardware ... DOS system. ... Wenn du aus MSdos + Windows 3.1 ein einziges programm ...
    (microsoft.public.de.vc)