Re: Computer umbauen, ja oder nein?
- From: Tassilo Schinhammer <tcs63f@xxxxxxxxxx>
- Date: Thu, 01 May 2008 12:14:19 +0200
Ich kann aus dem BIOS die CPU-Temp auslesen. Ausserdem habe ich ein mehr oder minder genaues Thermometer mit
Aussenfuehler (am Kabel) was ich in "den Kasten" Stecken kann.
Was ist die Systemtemperatur?
Vorweg: besorg' Dir noch ein Programm, mit dem Du die Temperatur der Festplatte auslesen kannst.
Zum Beispiel: http://www.hdtune.com/download.html
Die kostenlose Version tut's.
Das Programm kann nebenbei auch ein paar andere nützliche Dinge wie z.B. den Fehlerspeicher der Platte (Stichwort "SMART") auslesen.
So, nun lies die Temperatur der CPU.
Da der Prozessor nach dem Einschalten auf Dauervollgas geht, solltest Du nach Aufruf des BIOS und einer Wartezeit von ca. 2 Minuten die Worst-Case-Temperatur der CPU haben.
Unter WindowsXP, Vista oder Linux wird sie darunter liegen, da diese Betriebssysteme die CPU bei Inaktivität in eine Halt-Zustand versetzen, in dem sie viel weniger Strom verbraucht und Wärme entwickelt. Der Halt-Zustand tritt sehr häufig ein, sodass unter Windows/Linux die CPU nicht so warm werden dürfte, wie nach ein paar Minutem im BIOS.
Wenn also die BIOS-Anzeige für die Temperatur im Rahmen dessen liegt, was die CPU verträgt - und das können durchaus 60 oder mehr Grad sein - ist das schon mal ok. Die genauen Grenzwerte für die CPU sind sehr, sehr unterschiedlich, teilweise gibt es für denselben Prozessor zwei Grenzwerte, je nachdem aus welcher Baureihe (Stepping) er stammt. Das muss Du rausfinden. Soweit ich weiss, vertragen aber alle CPUs mindestens 50 Grad, jedenfalls wäre mir noch keine untergekommen, die weniger verträgt.
Dann lies die Festplattentemperatur aus, möglichst nach einiger Zeit der Benutzung. Die Temperatur ist i.d.R bis 45 Grad unkritisch. Genaueres weiss das Datenblatt der Platte.
Dann steck diesen Fühler des Thermometers ins Gehäuse, mach' es zu, boote den Rechner, arbeite damit und warte etwas.
Nach meiner Erfahrung sind diese Fühler recht träge und es dauert etwas, bis sie sich einpendeln. Sagen wir mal 10 Minuten PC-Betrieb sollten reichen. Die Anzeige sollte dann möglichst nicht über 35 Grad liegen, auch wenn die CPU und die Platte im Rahmen dessen liegen, was erlaubt ist. Im PC sind ja auch Speicherchips, Kondensatoren, ein CD-/DVD-Laufwerk usw. drin. Und das Netzteil wird auch nicht besser davon, zu warme Luft durchzublasen.
Wenn Deine Außentemperatur=Zimmertemperatur häufig bei 40 Grad liegt, wird die Innentemperatur sicher nicht niedriger sein. Das ist nicht gut.
Bei einem gut durchlüfteten PC würde ich 33 Grad Außentemperatur als oberen Grenzwert ansehen. Mehr verträgt er im Einzelfall und mal für die eine odere andere Stunde, aber nicht auf Dauer.
Es bringt übrigens nicht notwendigerweise was, möglichst viele Lüfter einzubauen.
Solche, die in das Gehäuse einblasen, erzeugen erst mal einen Überdruck und evtl. Luftwirbel im Gehäuse, nicht unbedingt eine Durchlüftung - wenn ich's mal bizarr überzeichne, sprengt's dir eher den PC als dass es ihn durchlüftet, wenn der Frontlüfter beliebig stark und die Luftführung im Gehäuse beliebig schlecht ist.
Genauso erzeugen saugende Lüfter erst mal einen Unterdruck - wenn ich's wider bizarr überzeichne, schrumpelt dann der PC zusammen wie eine dünnwandige Getränkeflasche, wenn man dran saugt.
Luftführung ist tendenziell wichtiger als Anzahl und Stärke der Lüfter, das bedingt freie Luftwege im Gehäuse und man muss darauf achten, dass die Lüfter nicht konkurrieren (d.h. sich gegenseitig anblasen), sondern kooperieren; das ist nicht immer einfach.
Und: es gibt bei Computern keine Verdunstungskälte. Chips und Festplatten schwitzen nicht! Bei Menschen hilft ein Ventilator, weil er Schweiß verdunstet, was die Haut und damit letztlich den Körper kühlt. Bei Computern findet sowas einfach nicht statt - es ist im PC niemals kühler als drumherum, egal welche Luftmengen du wie schnell bewegst.
Wenn's dumm kommt, brauchst Du eine Klimaanlage für den Raum, in dem der PC steht, denn der beste PC-Lüfter macht die Luft nicht kühler, als sie um den PC herum ist. Und 40 Grad SIND zuviel, das bringt unabwendbar Innentemperaturen von über 40 Grad und das brät auf Dauer das Board, die RAMs usw.
Klimaanlagen sind freilich auch nicht umsonst, das ist mir klar.
Und wenn es nicht nur dumm kommt, sondern ganz dumm, kann es günstiger sein, öfter mal eine durchgekochte PC-Komponente zu tauschen, als eine Klimaanlage zu kaufen und zu betreiben.
Ade!
Tassilo
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